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Wieder einmal war ich auf Shoppingtour und habe bei Amazon einen Verkäufer entdeckt, dessen Sortiment mir gefallen hat.
Wie immer habe ich zunächst bei eBay gecheckt, ob der Verkäufer dort möglicherweise günstiger anbietet.
Trotz der von Amazon geforderten Preisparität bieten noch immer viele Verkäufer ihre Artikel bei eBay zu geringeren Preisen als bei Amazon an.
Mein Wunschartikel war bei eBay um einiges preiswerter als bei Amazon und wie immer habe ich mich dann auch auf die Suche nach dem passenden Onlineshop gemacht.
Dort war der Artikel noch einmal deutlich günstiger als bei eBay und so wollte ich dort bestellen.

Fehler Nummer 1 – falsche Berechnung der Versandkosten

Die erste Enttäuschung folgte bereits im Warenkorb.
Ab einer bestimmten Bestellsumme, die ich deutlich überschritten hatte, sollte der Versand kostenlos sein. Im Warenkorb wurden dann jedoch 1,99 Euro Versandkosten ausgewiesen.
Nun gehöre ich nicht zu denen, die sich über 1,99 Euro Versandkosten ärgern würden, aber es ist natürlich irreführend und damit wenig professionell, wenn die Versandkosten laut AGB eigentlich gar nicht in Rechnung gestellt werden sollten und dann plötzlich doch auftauchen.
Sicher gäbe es einige Käufer, die hier bereits abbrechen würden, weil sie sich darüber ärgern.
Ein Abbruch, der zu vermeiden wäre.

Fehler Nummer 2 – komplizierter und unlogischer Registrierungsprozess

Nachdem ich den Bestellprozess – inkl. Eingabe meiner persönlichen Daten – durchlaufen hatte, wollte ich bezahlen – wie immer am liebsten mit PayPal.
Nachdem ich auf den Link geklickt hatte, waren alle meine Bestelldaten weg – ich musste bei dem Shop zunächst ein Konto anlegen, mich dann mit meinen Zugangsdaten einloggen und meine komplette Bestellung erneut aufgeben.
Hier wurde meine Geduld dann schon etwas strapaziert und ich hätte mir gewünscht, dass der Händler mich vor der ersten Bestellung darauf aufmerksam gemacht hätte, dass ich nur als registrierter Kunde eine Bestellung aufgeben kann. Das hätte mir Zeit für die unnötige zweite Bestellung gespart.
Unklar ist mir, warum bei der ersten Bestellung schon alle Daten abgefragt wurden, wenn doch eine Registrierung nötig ist und gerade diese Prozedur erlebe ich im Netz nicht zum ersten Mal.

Fehler Nummer 3 – das Aus! Ungültiger Link zur Bezahlseite

Aber ich war noch immer wild entschlossen, meine Bestellung aufzugeben.
Der zweite Versuch endete jedoch mit dem Klick auf PayPal im Nirwana.
Statt zu PayPal wurde ich auf eine PayPal Fehlerseite gelenkt, die verkündete, dass der Link nicht richtig gesetzt wurde.
Kurz danach bekam ich eine Bestellbestätigung –mit dem Link zur PayPal Kaufabwicklung, der auch wieder nur auf die Fehlerseite führte.

Spätestens hier wird wohl der größte Teil der Käufer die Lust verlieren und den Kauf endgültig abbrechen.

Ich habe in diesem Fall eine Mail an den Onlineshopbetreiber geschrieben, der die Fehler dann auch schnell behoben hat, besser wäre es aber sicher gewesen, er hätte seinen Shop vor Inbetriebnahme selbst auf Herz und Nieren geprüft oder noch besser von jemand prüfen lassen, der nicht betriebsblind durchmarschiert.

Testen, testen, testen

Einige Käufer hat er mit Sicherheit verloren und sein Beispiel soll anderen Shopbetreibern den Impuls geben, ausgiebig zu testen, ob der Shop auch wirklich einwandfrei funktioniert, bevor die Käufer den Shop stürmen und den vollen Warenkorb unbezahlt stehen lassen.

In Südkorea hat die Supermarktkette Tesco eine geniale Idee umgesetzt:
In Seoul hängen riesige Fotos von Supermarktregalen in einem U-Bahnhof.
Die Artikel sind alle mit einem sogenannten QR-Code versehen.
Wer sich für ein bestimmtes Produkt entscheidet, scannt den Code via Smartphone ein, der Artikel wird in den virtuellen Einkaufswagen gelegt, am Ende wird der komplette Einkauf per Handy bezahlt und abends wird die Ware von Tesco nach Hause geliefert.
Tesco ( in Südkorea unter Home plus bekannt ) konnte mit seinem U-Bahn-Kauf die Onlineumsätze in nur zwei Monaten um 130% steigern und 76% neue Kunden generieren.

Das Video zur Kampagne wurde gerade beim Werbefilmfestival in Cannes mit mehreren Preisen ausgezeichnet:

Nein, Sie haben nichts verpasst. Der Media Markt hat noch keinen Onlineshop!
Der Media Markt hat die Bühne des Onlinehandels noch gar nicht betreten und schon kommt eine erste Kampfansage an die Branche.
Mit Berufung auf eine Tagung des Unternehmens berichtet Internetworld, dass der für 2012 geplante Media Markt Onlineshop mit 3000 Produkten die Nummer Eins werden und die Online-Preisführerschaft übernehmen will.
Um dieses Ziel erreichen zu können, werden u.a. Zugeständnisse von Seiten der Lieferanten erwartet.
Kunden wird es freuen, wenn der Preiskampf, der im Elektronikbereich schon jetzt tobt, durch ein weiteres kampferprobtes Schwergewicht weiter angeheizt wird.
Für kleinere Händler könnte der Wind dann noch eisiger werden.

Media Markt wird vor allem Amazon im Visier haben- schon jetzt leisten sich die beiden Giganten unerbittliche Preisschlachten – zur Freude der Kunden.
Ganz so einfach dürfte es für den Media Markt allerdings nicht werden, an Amazon vorbeizuziehen.
Amazon ist bei den Kunden beliebt und verfügt in Deutschland über 13 Jahre Erfahrung im Onlinehandel.
Zwei gewichtige Faktoren, die für einen Online-Newcomer erst einmal eine große Hürde darstellen, die nicht so einfach wie vielleicht geplant, zu überwinden sein wird.

Auch die Kernstrategie auf dem Weg zur Marktführerschaft von Media Markt überzeugt mich noch nicht:
So sollen Kunden in den Filialen über Bestellterminals online einkaufen können ( warum sollte ich online einkaufen, wenn ich direkt vor Ort bin?) und umgekehrt soll online eingekaufte Ware auch in den Filialen abgeholt werden können. ( Ich kaufe gerade aus dem Grund online, weil ich eben nicht in die Filiale gehen will – keine Parkplatzsuche, keine Abhängigkeit von Öffnungszeiten, kein Warten an der Kasse und vor allem bekomme ich alles bequem bis an die Haustür geliefert).

Fazit: Wie immer bei Vorankündigungen gilt auch hier die Devise: “ Erst einmal abwarten…!“

In der letzten Woche hatte ich eine Beratungsanfrage, die mich nachhaltig beschäftigt hat.
Es ging darum den Traffic für einen Online-Shop zu erhöhen, aber explizit ohne Affiliates.
Nun wäre ich niemand, der Affiliates an die erste Stelle setzen würde, wenn es darum geht, den Traffic für den Online-Shop zu erhöhen – Affiliates können aber durchaus begleitend unterstützen und auch einen ( wenn auch nur kleinen) Teil der Strategie ausmachen.

Insofern hat mich diese Mail doppelt irritiert.
Zunächst natürlich, weil der Mailschreiber offensichtlich die Angst hatte, ich würde mich darauf beschränken, ihm zu raten, Affiliates zur Vermarktung seines Shops einzusetzen. Das wäre sicher ein Punkt, über den man reden könnte, aber natürlich steht dieser Punkt am Ende einer lange Liste und nie im Vordergrund.

Die zweite Irritation war dann für mich die Überlegung: Warum eigentlich Affiliates von vornherein explizit ausschließen?
Möglicherweise ist hier eine Aufklärung nötig, welche Vorteile ein Affiliate Netzwerk aus Sicht eines Shopbetreibers haben kann.

Was machen Affiliates eigentlich?

Affiliates bewerben Ihre Produkte im Netz – in der Regel auf eigenen Seiten.
Affiliate-Netzwerke bringen die Shopbetreiber ( Merchants ) und die Affiliates ( Publisher) zusammen.
Der Shopbetreiber stellt Banner und / oder Links zur Verfügung, der Affiliate sucht sich passende Programme aus und bewirbt sie dann auf seiner Seite.
Kommt über den Link / das Banner auf der Webseite des Affiliates ein erfolgreicher Verkauf im Onlineshop des Merchants zustande, wird eine vorher vereinbarte Provision fällig.
Zahlt der Merchant z.B. 10 % Provision und generiert der Affiliate einen Verkauf von 100 Euro, entstehen dem Shopbetreiber zunächst Kosten in Höhe von 10 Euro.
Fast alle Affiliate-Netzwerke berechnen ihrerseits eine Provision von 30%.
In diesem Fall wären also zusätzlich 3 Euro an das Affiliate Netzwerk zu zahlen.
Wird kein Verkauf generiert, entstehen auch keine Kosten.
Ich kann verstehen, dass man als kleinerer Onlinehändler Abstand von den großen Affiliate-Netzwerken wie z.B. Zanox oder Affili.net nimmt.
Hier werden erst einmal Set-Up Gebühren und teilweise auch monatliche Gebühren fällig, die ein “ kleiner“ Onlineshop nicht zu zahlen bereit ist.
Aber es gibt auch durchaus reichweitenstarke Netzwerke wie z.B. Belboon und Superclix, die weder eine Set-Up Gebühr, noch eine monatliche Gebühr in Rechnung stellen.
Abgerechnet werden ausschließlich erfolgreiche Verkäufe ( oder auch Leads oder Klicks – je nach Modell).
Die Höhe der Provision legt der Shopbetreiber fest – natürlich wird er sich den Provisionen seiner Wettbewerber anpassen.
In einigen Bereichen werden z.B. 5 % Provision ausreichend sein, in anderen Kategorien können es auch durchaus deutlich mehr als 10% sein.
Es gibt verschiedene Provisionsmodelle und Möglichkeiten für Merchants – so können Sie z.B. auch Provisionen für eine Newsletter-Anmeldung zahlen, oder einen Bonus für Neukunden.

Also – auch wenn Affiliates nicht meine erste Wahl wären, um den Traffic im Onlineshop zu erhöhen- grundsätzlich ablehnen würde ich sie nicht!



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Eine Frage, die ich ab und zu in Beratungsgesprächen höre, ist die Frage, ob Produkte im Onlineshop billiger angeboten werden sollen als bei eBay?
Das Pro-Argument ist immer das gleiche:
Im Onlineshop könnten die Produkte schließlich günstiger angeboten werden, weil dort keine Gebühren anfallen.
Und das stimmt nur auf den ersten Blick.
Natürlich fallen im eigenen Onlineshop weder Einstellgebühren noch Verkaufsprovisionen an, wohl aber Kosten.
Das Hosting können wir als Kostenfaktor vernachlässigen, aber einen trafficstarken Onlineshop im Netz zu positionieren, kostet Zeit und in der Regel auch Geld.
Möglichweise können Sie über eBay & Amazon Traffic für Ihren Onlineshop generieren, aber das alleine wird nicht reichen und was ist, wenn Sie sich langfristig unabhängig von eBay & Amazon machen wollen?
Wo kommt der Traffic dann her? Spätestens jetzt müssen Sie investieren, um bei Google auf den ersten Seiten ( auf der ersten Seite) zu bleiben.
Haben Sie einmal damit begonnen, in ihrem Onlineshop Kampfpreise zu machen, um ihre Kunden von eBay & Amazon auf Ihren Shop umzulenken, obwohl sie dabei noch geringere Margen einkalkulieren müssen, können Sie später die Preise nicht mehr auf ein vernünftiges Niveau heben.
Hier passiert genau das, was schon vielen passiert ist.
Zunächst wird über eBay & Amazon Traffic für den eigenen Shop generiert – dabei werden die Kunden auf den Onlineshop umgeleitet, weil die Preise dort günstiger sind.
Einige Kunden kaufen trotzdem über eBay & Amazon – einfach weil es ihnen sicherer erscheint oder weil sie Gewohnheitsmenschen sind, aber viele lassen sich in den Shop locken.
Dann kommt der Tag, an dem man denkt, auch ohne eBay & Amazon überleben zu können, aber man merkt, dass die Preise langfristig nicht haltbar sind. Also erhöht man sie.
Und jetzt passieren zwei Dinge: Erstens bricht der Traffic, der vorher von eBay & Amazon kam, ein und zweitens sind die Kunden mit den Preiserhöhungen nicht einverstanden.
So hat man dann den Traffic, den man sich aufgebaut hat, verbrannt.
Es gibt viele Möglichkeiten, den eigenen Onlineshop zu etablieren – auch mit der Hilfe von eBay & Amazon, aber über den Preis sollte man es nicht versuchen!
Kurzfristig mag diese Strategie funktionieren – langfristig nicht!
Von mir also eine klare Antwort auf die Frage:
Sollen Produkte im Onlineshop günstiger angeboten werden als bei eBay & Amazon?
Nein!

Hier kommen die Links der Woche:

Recht

Ist die Koppelung einer Gewinnspielteilnahme mit der Einwilligung in elektronische Werbung zulässig?
Via: It-Recht-Kanzlei

LG Dresden: Verstoß gegen Buchpreisbindung auch bei Angebot eines gebrauchten Buches möglich, welches als „neu“ beworben wird
Via: IT-Recht-Kanzlei

Die 20 wichtigsten Urteile für Shopbetreiber im Jahr 2010
Via: Shopbetreiber-Blog

Online-Shop

Welche Zahlungssyteme gibt es für Onlineshops und wie unterschieden sie sich voneinander?
Übersicht Onlinebezahlsysteme für Online Shops
Via: e-commerce-blog

e-Commerce

Beeinträchtigt der PayPal-Button Ihre Conversion?
Via: eCommerceLounge

Facebook

Facebook ist in aller Munde – doch wie sieht es mit den Erfahrungen mit dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen über Facebook aus?
Erfahrungen mit Facebook als Shopping-Plattform
Via: Shopbetreiber-Blog

Versteigerung

Nummernschilder der Polizei & Feuerwehr von St.Gallen sollen zur Versteigerung freigegeben werden und Millionen in die leeren Kassen spülen!
Keine teuren Nummern für Polizei & Feuerwehr mehr
Via: 20min

Kuriose Versteigerungen:
Auktionshaus Bonham’s versteigert Gebiss von Winston Churchill für 16.000 Pfund ( ca. 19.000 Euro)
Churchill hatte mehrere Gebisse: Erst im Juli war ein Gebiss Churchills für umgerechnet 22.000 Euro versteigert worden.
Via: N24.de

Scot Wingo vom Channeladvisor Blog weiß wovon er spricht, wenn er den Weg vom Wohnzimmer- eBayverkäufer in den Olymp der Top 500 Internethändler beschreibt.

Seine Grafik verdeutlich den Werdegang eines eBay-Sellers vom Wohnzimmer-Verkäufer zum Top 500 Internethändler.
Spätestens wenn der Seller “ erwachsen“ wird, fängt er an, neben eBay auch bei Amazon und auf anderen Marktplätzen zu verkaufen.
Als nächstes folgt der eigene Onlineshop und nach und nach konzentrieren sich alle Maßnahmen zur Umsatzsteigerung auf die gute Positionierung des Onlineshops.
Will der Händler ganz nach oben, verschiebt sich der Umsatz deutlich : Entfallen in den Anfangstagen noch 100% des Umsatzes auf eBay, sind es in der Oberliga nur noch 10-20%.

Am Beispiel des eBay Verkäufers shoemetro ( eBayname apparelsave, Onlineshop shoemetro.com) zeichnet Scot Wingo einen solchen Aufstieg nach:

Angefangen haben David und Will im Jahr 2004.
Ganz typisch für viele eBayverkäufer von zu Hause aus.
Zunächst haben sie mit verschiedenen Produkten experimentiert und sich dann für Schuhe entschieden.
Ende 2004 sind sie “ zu Hause ausgezogen“ und haben ein kleines Lager mit ca. 230qm angemietet.
Durch eBay haben sie viel gelernt- die richtigen Produkte zu finden und wie man sie am besten verkauft.
2006 zogen sie in ein neues Lager mit ca. 740qm ein.
Ende 2006 lag ihr eBay Jahresumsatz bereits bei 3 Mio Dollar.
In 2007 fingen sie an bei Amazon zu verkaufen und eröffneten ihren eigenen Onlineshop.
Zu dem Zeitpunkt war eBay noch ihre absolute Nummer 1 und sowohl Amazon als auch der Onlineshop zweitrangig.
2008 wurde das Lager wieder zu klein und sie zogen in ein 1300qm großes Lager um.
Jetzt fingen sie auch an, ihre Aktivitäten bei Amazon stärker zu forcieren und der Onlineshop erhielt ein neues Design.
2009 wurde dann wieder ein neues Lager bezogen – dieses Mal mit einer effektiv nutzbaren Fläche von 4400qm.
2010 haben sie dann intensiv an ihrer Webseite gearbeitet:
Die Produktauswahl erhöht, mit dem eMail und Suchmaschinen-Marketing begonnen, ein Affiliate Programm aufgesetzt und sich im Social Media Bereich engagiert.

Jetzt schreiben wir das Jahr 2011 und die Geschichte ist natürlich nicht vorüber.
Bis jetzt sind sie sehr gesund gewachsen, haben sich Zeit genommen, die einzelnen Bereiche professionell aufzustellen und sie werden Schritt-für-Schritt weiter wachsen!

Ihr Umsatzwachstum beträgt 35 % im Jahr.
Aktuell haben sie 45 Mitarbeiter ( + 10 in der Hochsaison – so haben sie z.B. am Cyber Monday 2800 Paar Schuhe verkauft).
Der eBay Anteil am Umsatz liegt heute bei nur noch 65%.
Noch gehören sie nicht zu den Top 500 Internethändlern, aber vermutlich werden sie es schaffen!



In der letzten Woche habe ich einen Artikel über die Möglichkeiten für Onlinehändler geschrieben, sich beim eBay-Partnerprogramm anzumelden und als eBay Affiliate einen Teil der Kosten zu refinanzieren.
Tipp für eBay Händler mit Onlineshops – Werden Sie eBay Affiliate.

Ich hatte mir einige Onlineshops von großen eBay-Händlern angesehen und war ziemlich erstaunt über die Diskrepanz zwischen Onlineshop und eBay-Auftritt.
Mit einem der Händler habe ich darüber gesprochen, warum er seinen Onlineshop nicht professionalisiert und die Antwort war: “ Keine Zeit.“
Während er bei eBay & Amazon am Tag durchaus Stückzahlen im 4-stelligen Bereich verkauft, liegen die verkauften Stückzahlen im Onlineshop im ganz unteren 2-stelligen Bereich.
Hier ist also durchaus Potential vorhanden!
Nun höre ich diesen Satz „Keine Zeit“ nicht zum ersten Mal- im Gegenteil!

Im letzten Jahr habe ich einen Dienstleister betreut, der mehrere große eBay Accounts managt und mich als Beraterin im Hintergrund hatte.
Bei jedem neuen Scan seiner Accounts fiel mir auf, dass er nur Teile meiner Empfehlungen umgesetzt hatte und bei neuen Accounts wieder die gleichen Fehler machte.
Fehler, auf die ich ihn längst hingewiesen hatte.
Die Antwort auf die Frage, warum er meine Empfehlungen nicht umsetzt: „Keine Zeit“.
Statt wenige Accounts perfekt aufzustellen, hat er sich dafür entschieden, viele Accounts aufzustellen und nur das Nötigste umzusetzen, damit die Accounts keine Verluste einfahren.
Das Maximum wird er so bei den einzelnen Accounts nicht erreichen.

Aber auch er war nicht der erste von dem ich „Keine Zeit“ gehört habe.
Nun macht es natürlich sehr viel Arbeit einen eBay Account professionell zu managen und es ist auch nicht damit getan, einen eBay Account einmal einzurichten und ihn dann laufen zu lassen.
Gerade Strategieplanungen sind sehr zeitaufwändig – sowohl in der Analyse als auch in der Umsetzung und sie müssen ständig an den extrem dynamischen Markt angepasst werden.
In einigen Kategorien mehr, in anderen weniger.
Wenn alles einigermaßen läuft, wird allerdings gerne darauf verzichtet.
Uralte Artikel, die seit Monaten keine Verkäufe mehr generieren werden weder ausgelistet noch optimiert, obwohl sie in einigen Fällen wieder erfolgreich laufen könnten, wenn sie den veränderten Marktbedingungen angepasst werden würden.
Aber das kostet Zeit und die ist nicht vorhanden.
Stattdessen werden dann neue Baustellen eröffnet – das können weitere eBay Accounts, weitere eBay Kategorien, ein Amazon Account, aber auch ein Onlineshop oder ein Facebook Auftritt sein und auch hier wird aus Zeitgründen oft eben nur das nötigste erledigt.
Und solange keine Verluste eingefahren werden, wird der Fokus auf weitere, neue Aktivitäten gelegt, die dann oft auch nur mit „halber Kraft“ realisiert werden, weil eben die Zeit fehlt!

So viele eBay und auch Amazonhändler klagen über hohe Gebühren und leben vor allem immer im Bewusstsein von eBay & Amazon abhängig zu sein.
Und wie viele standen wirklich schon plötzlich vor dem Nichts, weil eBay plötzlich den Account geschlossen hat?

Insofern finde ich es fast fahrlässig den Onlineshop zu vernachlässigen.
Es gibt einige Händler, denen es tatsächlich gelungen ist, sich von eBay & Amazon unabhängig zu machen. Händler, die bei eBay angefangen haben, später bei Amazon aktiv wurden und dann Schritt-für-Schritt ihren
Onlineshop professionell gestaltet haben und heute rein theoretisch auf eBay und Amazon verzichten könnten, weil der Hauptumsatz im Shop generiert wird.

Statt immer neue Baustellen zu eröffnen, die dann jeweils nur Kleckerbeträge einfahren, eben weil sie aus Zeitgründen nicht professionell gemanagt werden können, sollte man Prioritäten setzen , die Aktivitäten bündeln und diese dann professionell betreuen, oder einen Dienstleister einschalten, der z.B. ein Shop-Design aufsetzt.

Natürlich läuft auch ein Onlineshop nicht von alleine und auch hier sind ähnlich wie bei eBay und Amazon ständige Optimierungen nötig, aber es kann sich durchaus lohnen, hier Zeit & Geld zu investieren.



Fast unglaubliches, wenn auch logisch nachvollziehbar, berichtet die New York Times:
Ein Händler mit einer denkbar schlechten Web-Reputation wird von Google mit einem guten Ranking belohnt.
Hauptdarsteller der New York Times Story ist ein Onlineshop, der bei Google an exponierter Stelle gelistet ist.
Eine Kundin, die dem Verkäufer schon durch das gute Google Ranking einen Vertrauensbonus gab, erlebte nach dem Kauf die „schlimmste Erfahrung ihres Lebens“.
Gekauft hatte sie Kontaktlinsen im Wert von 361,97 Dollar.
Erst hieß es, die gewünschte Marke sei ausverkauft, aber das Geld wollte man ihr nicht zurückzahlen.
Als dann die Lieferung kam, stellten sich die Kontaktlinsen als Fälschung heraus. Als dann auch noch ihre Kreditkarte mit 487 Dollar, statt der vereinbarten 361,97 Dollar belastet wurde, eskalierte die Angelegenheit.
Der Shopbesitzer beschimpfte die Kundin u.a. als Bitch ( Schlampe ) und bedrohte sie: Er wüsste ihre Adresse und sei ganz in der Nähe.
Sie ließ sich nicht einschüchtern und ließ den Betrag über ihre Kreditkartenfirma zurückbuchen.
Es folgten Drohanrufe, dann drohte der Shopinhaber auch noch vor Gericht zu gehen und forderte von ihr (samt Auslagen) 1500 Dollar.
Dieser Ankündigung lag ein Foto ihres Wohnhauses bei – eine klare Drohung!
Fast zeitgleich teilte ihr die Kreditkartenfirma mit, dass der ursprüngliche Betrag ihrer Kreditkarte wieder belastet worden sei.
Es stellte sich heraus, dass “ jemand“ der Kreditkartengesellschaft mitgeteilt hatte, dass sie sich doch gegen einen Storno entschieden hatte.
An diesem Punkt (erstaunlich spät!) fing sie an im Netz nach Informationen über diese Firma zu suchen und wurde in unzähligen Foren fündig.
Viele Käufer hatten ähnliche Erfahrungen gemacht und sich auf entsprechenden Seiten öffentlich geäußert und auch eindringlich vor Käufen gewarnt.
In einem dieser Foren meldet sich der Verkäufer auch höchstpersönlich zu Wort:
“I just wanted to let you guys know that the more replies you people post, the more business and the more hits and sales I get. My goal is NEGATIVE advertisement.”
Frei übersetzt: Je mehr Leute sich an der Diskussion beteiligen, desto besser läuft sein Geschäft.
Seine Geschäftspraktik würde auf “ Negativwerbung“ aufbauen. All das sein Teil seiner Geschäftspolitik.
Seit der ersten öffentlichen Beschwerde würde sein Traffic steil nach oben gehen und er hat Recht!


Nicht nett, aber profitabel

In einem Interview mit der New York Times gibt es zu: Sein Geschäftsmodell ist zwar nicht „nett“, aber durchaus profitabel.

Wie das „Geschäftsmodell“ funktioniert:

Auf Nachfrage erklärt Google das System:
Die Foren und Webseiten auf denen sich die betrogenen Käufer über den Verkäufer auslassen, haben alle einen sehr guten (Google) Ruf.
Werden nun Links von diesen „guten“ Seiten auf den Onlineshop des Verkäufers gesetzt, steigt dieser bei Google im Ranking, weil er von dem guten Ruf der verlinkenden Seiten profitiert.
Links gibt es viele und der Verkäufer gibt sich offensichtlich jede Menge Mühe weitere Kunden zu schädigen, um weitere Links zu bekommen.
Sucht man direkt nach dem Firmennamen kommen natürlich Negativ-Schlagzeilen, sucht man jedoch nach Produkten, die in dem Shop angeboten werden, greift das „Linkbuilding“ und der Shop erscheint auf den vordersten Plätzen.
Im Grunde ist das nichts Neues, wenn auch in der extremen Form – als Geschäftsmodell – wohl eher ungewöhnlich.
Viele Blogger z.B. nutzen ähnliche “ Tricks“, um nach oben zu kommen.
Sie polarisieren, terrorisieren, hinterlassen auf anderen Blogs entsprechende Kommentare oder schreiben gleich selber einen Artikel, der für „negativen Aufruhr“ sorgt.
Aber – damit bleiben sie in der Tat mehr im Gespräch, als wenn sie dem Mainstream folgen, bekommen kostbare Backlinks und erreichen so ihre Ziele oft schneller als diejenigen, die sich aalglatt und unangreifbar durchs Netz winden.

Warenbeschaffung über eBay

Besagter Onlineshop betreibt – am Rande bemerkt – u.a. ein eBay-Geschäftsmodell:
Er selbst hat gar keine Ware am Lager, sondern ordert diese erst nach dem Kauf bei eBay Verkäufern und auch dort hinterlässt er verbrannte Erde:
Die Ware soll in der Regel direkt an den Kunden geschickt werden.
Ist die Anschrift jedoch nicht PayPal verifiziert, weigern viele eBay-Verkäufer sich, die Ware an den Kunden zu schicken.
Der Onlineshopverkäufer (in diesem Fall der eBaykäufer) quittiert das mit einer negativen Bewertung.
Nun haben viele Verkäufer bei eBay ihn bereits auf die Liste geblockter Bieter gesetzt, aber auch das hilft wenig bei so einem Menschen. Mit einem neuen Account umgeht er diese Sperren.
eBay hat ihn zwar endgültig ausgeschlossen, aber mit seiner Fantasie (oder soll ich besser sagen: kriminellen Energie) ist es ein leichtes, diesen Ausschluß zu umgehen.

Risiken und Nebenwirkungen:

Sorge bereiten ihm einzig Visa und Mastercard:
Bekommt er zu viele Stornos, wird er gesperrt und dann ist sein Geschäftsmodell Geschichte. Aber das weiß er und handelt entsprechend.
Die Frau mit den Kontaktlinsen hat übrigens ihr Geld zurückbekommen, allerdings erst nachdem sich die Presse eingeschaltet hat!
Und dieses Mal hatte die Drohgebärde des Onlineshopinhabers auch Konsequenzen: Wegen Stalkings und aggressiver Belästigung musste er seine Geschäfte kurz unterbrechen und wurde kurzzeitig arrestiert, aber auch das passiert nicht zum ersten Mal und bremst ihn nicht.
Der Erfolg gibt ihm Recht: Bei einem Umsatz von 20.000 Dollar und einem Reingewinn von ca. 3000 Dollar am Tag wird er seine Geschäftspolitik so schnell nicht ändern!