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Gestern bin ich wieder über eine typische eBay Geschichte gestolpert, bei der es darum ging, dass bei eBay eine gefälschte Creme verkauft worden war.
Preiswerte Kosmetik bei ebay war Fälschung
Die Creme, die im Handel über 100 Euro kostet, wurde bei eBay für 27 Euro angeboten.
Das hätte den Käufer eigentlich stutzig machen müssen, aber der Zusatz im Angebot, dass es sich um ein Original handelt, reichte aus, um die Käuferin zu überzeugen.
Die Creme kam, sah aus wie die Originalcreme – einzig der Beipackzettel ließ die Käuferin stutzig werden.
Dieser war eine Kopie.
Um es kurz zu machen: Die Käuferin schickte die Creme zur Überprüfung an den Original Hersteller, der bescheinigte, dass es sich um eine Fälschung handelt.
Die Käuferin zeigte den Händler an – das Verfahren läuft noch!

Wir können statt Creme auch viele andere Produkte bei eBay nehmen.
Was die Plagiatsverkäufer in der Regel gemeinsam haben, ist die ausdrückliche Bitte an den Käufer den Verkäufer bei Beanstandungen unbedingt zu kontaktieren.
In der Regel wird das Geld schnellstens rückerstattet, vielleicht erhält der Käufer noch einen Goodie in welcher Form auch immer – natürlich immer mit einer freundlichen Entschuldigung.
Dabei geht es nur darum negative Bewertungen zu vermeiden, die andere Käufer warnen könnten.
Und oft ( viel zu oft!) gelingt das auch.
Der Käufer ist zufrieden, wenn er sein Geld problemlos und schnell erstattet bekommt und gibt dann oft sogar noch eine positive Bewertung, wie z.B. “ Schnelle Rückerstattung des Kaufpreises, Umtausch kein Problem, sehr fairer! oder sehr freundlicher Verkäufer.

Diese Verkäufer sind nicht nur Meister darin, die Kunden in Bezug auf die Herkunft der Ware zu täuschen, sie sind auch Meister darin, den Käufer zu beschwichtigen und aus einem unzufriedenen Käufer einen zufriedenen zu machen.

Selbst in vielen Foren gehen die Meinungen, ob man positiv oder negativ bewerten sollte, auseinander.
Für viele reicht es, wenn die Ware a) schnell verschickt wurde und b) die Rückzahlung schnell erledigt wurde.
Das allein zählt für eine positive Bewertung.
Auf eine negative Bewertung wird verzichtet, weil man ja keinen Verlust hatte.
Und so können die Verkäufer viele weitere Kunden betrügen, weil in den Bewertungsprofilen von anderen Käufern nicht ausdrücklich vor dem Kauf gewarnt wird.

Früher habe ich dafür insofern Verständnis gehabt, weil viele aus Angest vor einer Rachebewertung nicht negativ bewertet haben.
Heute können Verkäufer den Käufer nicht mehr negativ bewerten, insofern gibt es keinen Grund, die negative Bewertung zurückzuhalten oder sogar einen Schritt weiter zu gehen und den Verkäufer wie die Käuferin in dem obigen Beispiel wegen Betrug anzuzeigen!

Im Moment sind die geplanten eBay-Neuerungen 2010 offiziell nur für eBay.com und ebay.co.uk angekündigt, aber ich kann mir vorstellen, dass auch wir uns jetzt bereits mit folgenden Themen befassen sollten:
Offiziell gibt es von eBay Deutschland noch keine Ankündigung.

1. Auswirkungen von geöffneten Streitfällen auf die DSR – ab September 2010

Die Anzahl der von Käufern gestellten Käuferschutzanträge wird in Zukunft in die Berechnung der DSR einfließen.
Gemeldete Fälle, in denen der Artikel nicht wie beschrieben ist, bzw. gemeldete Fälle, bei denen die Ware noch nicht eingetroffen ist, werden bei der Berechnung der DSR berücksichtigt.
Sind bei Top Verkäufern mehr als 0,5 % oder 2 Fälle, bei allen anderen Verkäufern mehr als 1 % oder 3 Fälle der Transaktionen als Streitfall gemeldet, droht der Verlust des Top-Verkäufer-Status sowie eine Beschränkung der Verkaufsaktivitäten.
Reagiert ein Verkäufer auf Streitfälle nicht, wird es bereits bei 0,3 % Sanktionen geben.
Im Verkäufer-Cockpit werden die geöffneten Streitfälle bereits ab Mai 2010 angezeigt, ab September 2010 fließen sie in die Berechnung der DSR ein!
Hier würde ich ziemlich sicher vermuten, dass diese Neuerung auch zu uns kommt!

Hier der Link zur eBay.co.uk Infoseite.

2. eBay erinnert Käufer an die Abgabe von Bewertungen

Da das Bewertungssystem für die Berechnung der DSR wichtig ist, hat eBay.com angekündigt, dass eBay die Käufer in Zukunft grundsätzlich automatisch um die Abgabe einer Bewertung bittet.
Auch hier könnte ich mir vorstellen, dass das in Deutschland eingeführt wird.

3. Keine Premiumangebote mehr
Bei ebay.co.uk und ebay.com wird es ab Juli 2010 keine Premiumangebote mehr geben.
Das könnte ( muss aber nicht) regional begrenzt sein.

In Florida hat ein Verkäufer einen Käufer auf die Zahlung von $15.000 Schadenersatz verklagt, weil dieser ihm eine negative Bewertung mit dem Inhalt “ Schlechter Verkäufer. Hat die Ethik eines Gebrauchtwagenhändlers“ gegeben hatte und damit das 100 % Profil des Verkäufers ruiniert hatte.
In dem Streit ging es um eine $44 Uhr, die beim Käufer in drei Teilen angekommen ist.
Der Verkäufer ist Rechtsanwalt und zog gegen den Bewerter vor Gericht.
7000 Dollar hat der Käufer bisher an Anwaltskosten investieren müssen- nun sind seine finanziellen Reserven aufgebraucht und das Urteil ist noch nicht gesprochen.

Gelesen bei Florida Today u.a.

eBay hatte im letzten Jahr schon einmal versucht den Mahnprozess zu automatisieren und hatte damit sowohl Käufer als auch Verkäufer verärgert.
Hier hatte ich darüber berichtet.
Im November 2009 hat eBay die Automatisierung zurückgenommen und die Welt war wieder in Ordnung.

Jetzt kommt die automatisierte Mahnung wieder, wenn auch in etwas abgeänderter Form.
Vor allem kann jetzt der Verkäufer selbst entscheiden, ob und nach wie viel Tagen er die Mahnungen automatisch verschicken möchte.
Das ist eine gute Lösung.
Sobald ein Fall vom Assistenten geöffnet wird, kann der Käufer für Ihre Transaktionen solange keine Bewertung abgeben, bis Sie die Zahlung erhalten haben und der Fall geschlossen wurde.
Zahlt der Käufer nach Mahnung nicht innerhalb von vier Tagen, können Sie den Fall schließen und der Käufer erhält eine Verwarnung.
Problematisch ist es nur wenn der Käufer später doch noch zahlt, aber das ist auch bei nicht automatisierten Mahnungen der Fall.
Die erhaltene Verwarnung für den Käufer kann auch dann nicht mehr zurückgenommen werden.
Der automatisierte Prozess ist nur möglich, wenn Sie PayPal als einzige Zahlungsmethode gewählt haben.
Hier die offizielle eBay- Info mit der Anleitung wie Sie den Assistenten konfigurieren.

Wie man im heutigen Rechtstipp bei Anwalt.de nachlesen kann, hat das Landgericht Bonn (Urteil vom 20.11.2009 – Az. 1 O 360/09) entschieden, dass bei der Angabe „Gefälscht!“ im Rahmen einer eBay-Verkäufer-Bewertung ein Unterlassungsanspruch des Händlers besteht.

Bei Äußerungen im Internet ist stets im Rahmen der Meinungsfreiheit abzuwägen, ob es sich um ein zulässiges Werturteil oder eine falsche Tatsachenbehauptung handelt. In diesem Fall hatte der Händler aufgrund der Bewertung „Gefälscht!“ einen Unterlassungsanspruch, da es sich um eine Tatsachenbehauptung handelte, die den Händler in den Bereich der Markenpiraterie gebracht hat. Der Käufer hatte zudem keinerlei Beweise vorgebracht, die seine Behauptung untermauert haben.