Für mich ist es immer wieder spannend mit erfahrenen Powersellern über eBay zu diskutieren, vor allem, wenn die Diskussionen sachlich bleiben und die Kritik fundiert ist.
Ein Powerseller, der immer wieder sehr interessante Sichtweisen hat, ist Andy Damm, der bei eBay unter anderem unter dem Mitgliedsnamen „itss-damm“ aktiv ist.
Wie viele andere Powerseller auch, schränkt er seine Verkaufsaktivitäten bei eBay immer weiter ein, auch wenn er zu den Verkäufern gehört, die nach wie vor bei eBay aktiv sind und auch dankbar auf die „guten, alten, Zeiten“ mit eBay zurückblicken.
Als Verkäufer mit dem Schwerpunkt Technik haben ihn viele eBay Änderungen besonders getroffen und im Folgenden analysiert er die Folgen, die der eBay Wandel der letzten Jahre für eBay-Verkäufer hatte.

Eine einschneidende Veränderung bei eBay war für uns die Einführung der Katalogdaten in den Technikkategorien:

Katalogdaten
Das Problem ist, dass maximal die ersten 2-3 Angebote innerhalb des Katalogproduktes vom Käufer wahrgenommen werden. Und hier leuchtet klar nur der Preis auf, da durch diesen die
Position im System entschieden wird (man hat 3 Jahre lang an einer Suche gearbeitet, die auf Popularität aufbaut und ewig an dieser Suche gebastelt, nur um sie dann in dieser Kategorien mit einem Schlag wieder außer Kraft zu setzen!)
Nun kann es sein, dass die 1., 2. und 3. Angebote irgendwelche Fernost Angebote, die z.B. mit Zoll belegt sind, oder das es ein Produkt ist, das technisch oder im Lieferumfang verändert wurde (z.B. Digitalkamera mit baugleichen Akku statt originalen) das macht das Produkt natürlich billiger. Oder es handelt sich um Produkte mit langen Lieferzeiten.
Für uns war das Katalogsystem im Technikbereich das AUS und ein deutlicher Umsatzeinbruch, da wir auch viel mit Sets gearbeitet haben, die nun gänzlich untergegangen sind.

eBay WOW Angebote als Konkurrenz
Erschwerend kommt hinzu, dass eBay im Rahmen der WOW Angebote ja auch Produkte prominent platziert und bewirbt. Somit tritt eBay in Konkurrenz zu dem „Normalprodukt“ auf eBay.
Warum ein Ipad 2 oder PS3 160GB suchen, wenn man es im Rahmen der WOW eh zum Bestpreis bekommt.
Wozu dann der Rest des Marktplatzes (Marktplatz auf das eine Produkt bezogen oder
vereinfacht wozu 100 andere Angebote)?
eBay hat hier die Philosophie “ Ein Produkt zum besten Preis“, was bedeutet: eBay hat nur einen Verkäufer, der dann eben den besten Preis hat.
Wozu braucht eBay dann noch Verkäufer mit Top-Verkäufer Status?
Die Strategie im Vergleich zu Amazon etc. ist nachvollziehbar und auch logisch, aber eben nicht Plattformorientiert.
Für solch eine Philosophie kann ich auch einfach einen Onlineshop eröffnen.
Dafür brauche ich keinen Marktplatz.

Trotz allem bin ich ein großer WOW Freund und werde es auch immer sein, da der eBay Marktplatz für solche Aktivitäten grundsätzlich der beste ist, bzw. schlicht der Traffic bzw. sehr günstiger Traffic (um etwas anderes geht es eigentlich auch gar nicht) einfach da ist.

Restrukturierungsmaßnahmen
Viele Restrukturierungen der letzten Jahre empfinde ich nach wie vor als nicht richtig und auch mehr als miserabel umgesetzt. Von der Idee her sind einige Ideen sehr gut (z.B. Top-Verkäufer-Status für höhere Käuferzufriedenheit), in der Umsetzung aber sehr schlecht, dazu gehört z.B. das

Bewertungssystem
Vor Jahren hatte eBay die Idee neutrale Bewertungen zu den negativen Bewertungen zu zählen, was dann aber 6 Monate später wieder rückgängig gemacht wurde.
In der Zeit als neutrale und negative Bewertungen zusammengezählt wurden, hatten wir massive Umsatzeinbrüche. Wir haben als Verkäufer für diese Testphase gezahlt.

Änderungen bei der Suche
Dann folgte 2007 die 1. Veränderung in der Suche, was wiederum zu einem Umsatzeinbruch führte.

Gebührenmodelle
eBay lockt Verkäufer zunächst mit seinen Gebührenmodellen, wie z.B. mit Rabatten für Verkäufer mit Top-Bewertung. Dann aber werden diese Rabatte wieder abgesenkt.
(dieses Jahr nun zum 2. Mal auf 15%)

eBay Express
eBay Express war die richtige Idee, nur leider gibt es eBay Express nicht mehr.

eBay Markenshops
eBay hat den Aufbau von Markenshops forciert – heute fragt keiner mehr danach

Einheitlicher Warenkorb
ein Must have – nur bis heute nicht umgesetzt.

Kooperation mit „namenhaften OnlineShops“
hier verrennt man sich in einer Idee

Kaufabwicklung
eine mehr als verschlampte Kaufabwicklung (Checkout) – ganz klasse finde ich hier die Antwort „nehmt einen externen z.B. Afterbuy“ – hieß es 3 Jahre lang – heute — abgestellt / jeder Freeware Onlineshop hat eine bessere Kaufabwicklung

Cross-Selling
keine Cross-Selling Möglichkeiten – es gibt ein Tool, das seit 2 Jahren getestet wird, komischerweise aber nie kommt

Schlichtungsverfahren
keine Schlichtungsverfahren bei Bewertungen (wie z.B. bei Ekomi oder bei bei meinpaket) – hat man bei eBay in England vor 3 Jahren mal getestet „lief nicht“ – somit auch das aus für Deutschland – (Ekomi an der Stelle mehr als Super – JEDER unserer Kunden wird mehr als 150% zufrieden gestellt wenn er in die Schlichtung geht und die Leute freuen sich riesig drüber, wenn wir es machen)

Wie man sieht: Viele eBay Änderungen werden nur halbherzig umgesetzt, andere stellen sich im Livebetrieb auch als unnötig heraus und werden wieder zurück geändert.

Das Internet im Wandel?
Fragt man eBay nach den Gründen für die ständigen Änderungen kommt die Antwort:
„Der Online Handel und das Internet haben sich gewandelt“ (habe ich mehr als 100x gehört) – FALSCH! NUR EBAY HAT SICH GEWANDELT!
Beispiel Idealo.de – > sieht seit 10 Jahren gleich aus und hat bis heute exakt die gleichen Konversation Rates wie eh und je. Es gibt meiner Ansicht nach natürliche Grenzen für Userzahlen, Traffic und Konversions. Zumindest in den User-Bereichen in denen Amazon und Ebay oder auch Groupon arbeitet. Auch Amazon wird diese Grenze bald erreichen, bisher konnte Amazon wachsen, da man einfach neue Bereiche erschlossen hat z.B. Technik, MP3-Downloads, Kindle, Kleidung, Baumarkt, Food etc. – deswegen verkauft man aber nicht zwingend mehr Bücher oder DVDs.
Aktuell z.B: Softwaredownloads – eine SUPER Idee die einfach neuen Umsatz bringt, aber dann in 3-4 Jahren eben auch erfährt, bzw. sich auf einem Niveau einpendelt. Aber die Idee macht es.

Profiteure

Natürlich gibt es die absoluten Gegenbeispiele auf eBay und hier kann ich auch mind. 5 Accounts nennen, die mehr als profitiert haben von diversen Umstellungen, aber auch hier stellt sich bei einer kurzen Analyse schnell heraus:
1. Diese Accounts werden von Ebay gefördert ( z.B. durch WOW Angebote)
2. Durch reinen Preiskampf kommen diese Accounts in den Bereichen, in denen die Preispositionierung die größte Rolle spielt (Katalogdaten) durchweg auf Platz 1.

Ein Kerngeschäft im Technikbereich gibt es aus meiner Sicht fast nicht mehr – hier gab es bei eBay früher deutlich mehr Vielfalt und Möglichkeiten, die z.B. durch das Katalogsystem deutlich ausgehebelt wurden.

Partnerschaft – wir sitzen alle in einem Boot?
Frustrierend ist auch, dass von Seitens eBay vieles anders gesagt wird, als es letztendlich praktiziert wird. Nach 10 Jahren versteht man das dann doch mal. Seit nunmehr sechs Powersellertreffen höre ich das Wort Partnerschaft etc., aber das definiert eBay komplett anders als ich, was ich auch im direkten Kontakt erfahren durfte.

Letzten Endes mag man nur die Plattform die einem Gewinn bringt 😉 und eBay bringt es halt im Moment einfach nicht, was ich durchweg schade finde, denn wir sind mit und auf Ebay groß geworden und zu dem was wir heute sind.

eBay als Traffic-Lieferant
Und so sehe ich eBay nicht als Plattform die Gebühren verlangt und immer teuerer wird, sondern einfach nur als Traffic Lieferant für meine Produkte.
Idealo hat z.B. eine Konversion von 3% bei uns – was relativ gut ist (manchmal auch 4-5 in guten Zeiten das ist aber absolut die Ausnahme) – Rechnet man das im Vergleich zu eBay so sind es nur minimal 1-2 % zumindest im Technikbereich und Ebay hat einen deutlich höheren Traffic. Auch wenn die Konversion niedriger ist, gleicht eBay das mit mehr Besuchern allemal aus. Zumal die Kosten nur bei Sale anfallen und nicht bei View (auch bin ich gespannt wie sich das in Zukunft entwickelt).

Fazit ( zusammengefasst von Marion von Kuczkowski)

Fassen wir die Kritikpunkte zusammen:

-Die Sortierung der in der Suche angezeigten Artikel ist nicht in allen Kategorien identisch. Während in Kategorien mit Katalogdaten die günstigsten Artikel zuerst gezeigt werden, sind es in anderen Kategorien die „beliebtesten Artikel“. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass gerade in den Technikkategorien ein direkter Preisvergleich fast unmöglich ist und damit ist die Sortierung nach Preis sinnlos.
-Die eBay WOW Angebote konkurrieren mit den Marktplatzangeboten. Wozu braucht man eine Vielzahl an Verkäufern, wenn eBay nur einen Verkäufer prominent bewirbt, der auch noch das günstigste Angebot hat.
-Manche Änderungen werden nur halbherzig umgesetzt (Top-Verkäufer Status ist noch optimierungsbedürftig), andere bleiben auf ewig in der Pipeline ( Cross-Selling-Tool) oder verschwinden ganz ( eBay Express).
-Es gibt natürliche Grenzen für Userzahlen, Traffic und Konversions, diese werden nicht ausgehebelt, wenn man den Marktplatz ständig verändert.

Und trotzdem kann es sich lohnen bei eBay zu bleiben und sei es nur um auf eBay präsent zu sein und über eBay Traffic zu generieren.

Vielen Dank an Andy Damm für die spannenden Einblicke, die seine Sicht zum Marktplatz eBay widerspiegeln.

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