Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.
Dieses Zitat stammt aus Schillers Trauerspiel „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua“ und passt aktuell zum Trauerspiel „eBay Partner Network gegen seine langjährigen Partner“, das gegenwärtig weltweit aufgeführt wird.
Nicht nur eBay Verkäufer klagen über gesundheitliche Probleme, auch eBay Affiliates rund um den Erdball leiden zur Zeit an akuter Schnappatmung und dabei steht noch nicht fest, ob die Ursache nur in den massiv einbrechenden Umsätzen, oder in der Kommunikation der eBay Partner Network Mitarbeiter zu suchen ist.
Schon Anfang des Monats habe ich über das neue Preismodell des eBay Partner Networks berichtet und eine kleine Umfrage gestartet. Das Ergebnis war eindeutig: Fast 90% der Publisher klagen über massive Umsatzverluste, knapp 10% gehören zu den Glücklichen, die keine Veränderung spüren, zu den Gewinnern gehört niemand.
Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in sämtlichen Diskussionsforen weltweit wider.
Über dem eBay Partner Network tobt ein gewaltiger Shitstorm, aber wie gewöhnlich sitzt eBay den aus.
Obwohl klar ist, dass es kaum Gewinner gibt, stellt eBay sich hin und behauptet, dass die meisten Publisher profitieren werden. Die aktuellen Zahlen, die viele Publisher veröffentlicht haben, sprechen ganz klar eine andere Sprache.
Das Sahnehäubchen hat eBay jedoch mit einer Antwort gegenüber einem Publisher aufgesetzt:
Wir sind uns darüber im Klaren, dass einige Publisher mit dem neuen Modell weniger verdienen und sich möglicherweise für ein anderes Programm entscheiden.
Frei übersetzt: Geht doch woanders hin, wir brauchen Euch nicht mehr!

Wir reden hier aber nicht von einigen Publishern.
Im US Forum hat ein Publisher Zahlen veröffentlicht, die wohl jeden nachdenklich werden lassen.
Sein bester Monatsumsatz mit dem eBay Partner Network lag bei knapp 83.000 Euro!
Dann erfolgte 2009 die erste Umstellung des eBay Partnerprogramms und damit gingen die Umsätze deutlich in den Keller. Im September 2013 war er auf dem Tiefstand von knapp 1200 Euro angekommen und im Oktober wird er erneut verlieren.
Offensichtlich gehört er zu denjenigen, die in der Lage sind, eBay massiv Traffic zuzuführen, oder eben jetzt den Traffic an ein anderes Programm zu leiten und damit steht er nicht alleine da.
Ich bin innerhalb des Partnerprogramms ein ganz kleines Licht, aber auch meine Umsätze sind seit der Umstellung um mehr als 70% eingebrochen und es fällt mir im Moment schwer, sachlich über eBay zu berichten.
Aber man muss das leider ganz realistisch sehen:
Ich kann die Shitstorms, die in den Jahren über eBay getobt haben, nicht mehr zählen.
In der Regel waren es Verkäufer, die sich von eBay ungerecht behandelt gefühlt haben, Verkäufer, die gegen eBay Neuerungen protestiert haben, oder Verkäufer, die sich den eBay Regularien nicht beugen wollten. Jetzt protestieren eben die Affiliates.
eBay hat in der Vergangenheit alle Shitstorms überstanden und wird auch diesen überstehen.
Wie immer zeigt das Sprichwort: Love it change it or leave it den Weg.
Entweder finden sich die Affiliates damit ab, ändern ihre Seiten, oder sie suchen sich einen neuen Partner.
Und genau hier kann eBay auf die Erfahrung der vergangenen Jahre bauen: Die Menschen regen sich auf, toben herum und drohen damit, eBay zu verlassen und sind am Ende doch fast alle wieder da.
Und eines hat eBay klar gemacht:
Es ist ihnen egal, ob die Partner gehen, die ihnen nur Traffic und keine nennenswerten Umsätze bescheren.
Vielleicht hat eBay das Pareto Prinzip im Hinterkopf, nach dem 80% der Ergebnisse von 20% der Publisher eingefahren werden und so ist eBay bereit, auf 80% der Partner zu verzichten, vielleicht auch weil sie wissen, dass nur die wenigsten wirklich gehen, auch wenn sie es androhen.
Und so wird sich dieser Shitstorm legen, wie sich alle Shitstorms gelegt haben und dann wird der nächste kommen und wieder wird sich nichts ändern.
Schade!

5 Kommentare
  1. Marion von Kuczkowski
    Marion von Kuczkowski sagte:

    Gut, in dem Bereich bin ich vermutlich nicht angesiedelt;-)

  2. Frank
    Frank sagte:

    >Sondervergütet? Davon höre ich heute zum ersten Mal…

    Das ist für die jetzige Situation nur eine Vermutung. Das hat es aber gegeben, ganz sicher!

  3. Marion von Kuczkowski
    Marion von Kuczkowski sagte:

    Sondervergütet? Davon höre ich heute zum ersten Mal…
    Ich warte ehrlich sehr gespannt auf die Trafficauswertungen eBay/Amazon für Oktober.
    Wenn nur 20% der Publisher den Traffic umleiten, müsste sich das doch bemerkbar machen?
    Ich bin leider noch nicht weiter gekommen.
    Die Umstellung auf Amazon gestaltet sich bei einigen Seiten sehr viel schwieriger als ich dachte.

  4. Frank
    Frank sagte:

    Um bei den Prinzipien zu bleiben:

    Die eBay`ler sind wahrscheinlich alles Menschen mit einer Dominanz der linken Gehirnhälfte, die rein mit Logik argumentieren und vorzugsweise nur mit Zahlen, Daten, Fakten hantieren und zudem das Eisenhowerprinzip anwenden (Wichtigste Aufgaben zuerst erledigen, unwichtige Dinge aussortieren). Dementsprechend werden die unwichtigen „Partner“ aussortiert und die wichtigen „Partner“ neben der katastrophalen neuen Regelung manuell Sondervergütet.
    20% der Partner sind im Quadranten „wichtig und dringend“ und sollen für den Erfolg sorgen und 80% sind weder wichtig noch dringend und können aussortiert werden.
    Ja, eBay möchte offensichtlich nur noch die großen Ströme nutzen. Das Paretoprinzip kann aber auch bedeuten, dass 20% der Probleme 80% des Ärgers verursachen. Vielleicht wurde auch vergessen, darüber nachzudenken, welche 20% eBay 80% weiterbringt?

    Und … steter Tropfen höhlt den Stein.

    Ich habe fertig!

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