Ich hatte gerade eine interessante Diskussion mit einem eBay Verkäufer, dem ich keinen Vorsatz unterstellen wollen würde, aber er handelt noch meiner Einschätzung ganz klar gewerblich – über 2700 Bewertungen, 110 Angebote online, fast ausschließlich Neuware. Ich hatte ihm den gut gemeinten Ratschlag gegeben, seine Angebote auf gewerblich umzustellen, bin dabei aber auf Verständnisschwierigkeiten gestoßen. Die Begründung ist einfach und für den Laien sicher auch nachvollziehbar. eBay selbst bietet privaten Verkäufern an, monatlich bis zu 300 Angebote kostenlos einzustellen, bzw. bis zu 2500! Auktionen mit einem Startpreis von 1 Euro.
Nun kann man sagen, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, aber ich glaube ihm, dass er sich sicher war, hier auf der sicheren Seite zu stehen, weil eBay das so anbietet. Weil seine Auffassung ihm besser gefallen hat als meine, hat er sich bei eBay telefonisch rückversichert und eBay hat ihm bestätigt, dass er sich keine Gedanken machen muss.
Ich hätte mir an dieser Stelle von eBay mehr Aufklärung gewünscht – auch um die wirklich unwissenden Verkäufer- und die gibt es! zu schützen.

2 Kommentare
  1. Marion von Kuczkowski
    Marion von Kuczkowski sagte:

    Erst einmal ganz herzlichen Dank für den kritischen Kommentar, den ich durchaus nachvollziehen kann. Und keine Sorge, tmta wird nie auf clickbaits ausgerichtet werden 🙂 Zu dem Verkäufer: Ich denke, dass ich es klar herausgestellt habe, dass ich ihn gar nicht verurteile. Es waren zwei Dinge, die mich veranlasst haben, den kurzen Artikel zu schreiben: Zum einen, seine – und zwar durchaus nachvollziehbare! Annahme, dass es völlig unproblematisch ist, weil eBay es ja erlaubt und dann muss es in seinen Augen auch erlaubt sein. Und diesen Gedankengang kann man ihm gar nicht übel nehmen. Aber dem ist eben nicht grundsätzlich so. Bei 300 Angeboten im Monat / 2500 Auktionen im Monat wäre ich auf ein Urteil gespannt… Er hat in diesem Jahr 250 Bewertungen als Verkäufer erhalten. Rechnet man hoch, wie viele Käufer überhaupt bewerten ( ca. 30 – 40 %), dann erklärt sich vielleicht meine Vermutung besser. Aber es ging mir hier gar nicht um ihn, sondern um eBay und darum, dass hier Aufklärung fehlt. Man kann eben tatsächlich nicht jedem unterstellen, mit Absicht zu handeln – was ich in diesem Fall auch nicht getan habe. Er weiß es nicht besser und – hier wären wir bei Punkt 2- bekommt von eBay dann telefonisch noch einen pauschalen Freifahrtschein. Das hat mich geärgert. Er bekommt am Ende eine Abmahnung und weiß gar nicht warum. Hier wünsche ich mir einfach mehr Aufklärung von eBay, oder besser Hinweise an entsprechenden Stellen, an denen private Verkäufer explizit darauf hingewiesen werden, dass es problematisch werden könnte, wenn sie Monat für Monat ihre 300 Angebote einstellen. Es ging mir also nicht darum, sie anzuprangern – im Gegenteil!

  2. Andreas Bischoff
    Andreas Bischoff sagte:

    Schön geschrieben, wie immer, doch dieses Mal ob fehlender Tiefe leider massiv in den Bereich „Propaganda-Journalismus“ abdriftend. Die erwähnten Zahlen sind absolut nichtssagend – auch in rechtlicher Bewandtnis.

    Wie viele Verkäufe hat dieser Verkäufer so Monat für Monat? Sind die 110 – „fast alle“-Neuware Angebote ggf. schon seit Jahren online? 2.700 Bewertungen – seit wann? Wie viele davon sind Bewertungen für Verkäufe, wie viele sogar ggf. für Käufe? Dieses Jahr? Seit 2011? Schon seit Gründung eBays? Statistiken sind relativ.

    Klar, der Artikel ist auch für mich nachvollziehbar. Und klar, so wie es hier publiziert wird, „riecht“ das Ganze auch deutlich einseitig gefärbt nach gewerblichem Verkäufer. Dennoch sind die gesetzlichen Bestimmungen da leider nach wie vor etwas schwammig. Flohmarktartikel, daneben 110 Neuware-Artikel, die ggf. seit Jahren immer wieder (ohne Verkauf oder doch?) eingestellt werden, machen nicht automatisch einen gewerblichen Anbieter aus. So sehen das seit Jahren auch Finanzämter und Gerichte. Sogar bei 100+ Angeboten „neu + OVP“ pro Monat. Nachhaltige „Absicht zur Gewinnerzielung“ muss eben auch von anderen Stellen nachgewiesen werden. Das reine Einstellen und anbieten von Neuware bei eBay reicht da nicht aus. So ein Nachweis wird in Zeiten von hunderten eBay-Angeboten ohne (!) Verkäufe von Finanzämtern und Gerichten durchaus mehr automatisch akzeptiert und Widersprüche gegen Bescheide und Urteile sind nicht selten erfolgreich.

    Nochmal zur Klarstellung: Ich bin ebenfalls ein Gegner dieser zahllosen „privaten-gewerblichen“ Angeboten bei eBay. Aber diese so schwammige, gleichfalls verteufelnde Beschreibung eines einzelnen Verkäufers in diesem Artikel kann ich so absolut nicht unterstützen – egal, ob eBay das noch so fördern mag, oder ob das Finanzamt oder Gesetze hier Anwendung finden sollten, oder aber ob diese und ähnliche gesinnte Webseiten das einfach (vor-)verurteilen. Ich bin kein Jurist, aber gilt hierzulande nicht nach wie vor die Unschuldsvermutung und sollten echte Journalisten nicht eigentlich nach wie vor dem Pressekodex nach der Wahrheit verpflichtet sein?

    Insbesondere ein Passus der Präambel des Kodex‘ gerät leider immer mehr in Vergessenheit: »[…] Sie (Herausgeber und Journalisten) nehmen ihre publizistische Aufgabe fair, nach bestem Wissen und Gewissen, unbeeinflusst von persönlichen Interessen und sachfremden Beweggründen wahr.[…]«

    Heute, da sich jeder Blogger oder Influencer problemlos „Journalist“ schimpfen darf – übrigens ohne, dass irgendwelche offiziellen Stellen dagegen etwas machen könnten, findet der Pressekodex selbst in „höchst seriösen Medien“ kaum noch Anwendung. Reißerische Artikel generieren eben je nach Medium mehr Klicks, Abonnenten, Zuhörer oder -schauer. Und diese generieren Einnahmen durch Werbung… »Pecunia non olet« – »Geld stinkt nicht«, das wussten schon die alten Römer.

    Dass hier definitiv ein Defizit der Aufklärung von Seiten eBays vorhanden ist, ist unbestreitbar. Aber ist diese Art der Aufklärung (leider) nicht eBays Angelegenheit. Sollte der genannte Verkäufer tatsächlich regelmäßig Umsatz aus seinem 110+ Artikel umfassenden Neuware-Angebot generieren, dann sieht die Sache selbstverständlich anders aus. Aber das zeigt der Artikel nicht auf.

    Ich hoffe inständig, dass „take-me-to-auction.de“ – bislang in meinen Augen durchaus auf neutrale Berichterstattung fokussiert – jetzt nicht dahingehend abdriftet, mit massentauglicher Meinungsmache Seitenaufrufe zu generieren.

    Andreas Bischoff

    selbst Journalist seit über 40 Jahren,
    der die seit Jahren „journalistische“ Entwicklung – besonders im Netz – äußerst kritisch beobachtet

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