Die F.A.Z hat ein interessantes Interview mit eBay CEO John Donahoe abgedruckt.

Halbzeit

Um es optimistisch auszudrücken:
eBay wird sich in den kommenden 2 Jahren weiter verändern- aber die Hälfte der Strecke haben wir bereits geschafft.
John Donahoe hatte sich für die Marktplatzumstrukturierung vier Jahre als Ziel gesteckt- die ersten zwei sind um und nach seiner Aussage machen sich die Änderungen jetzt auch bereits positiv bemerkbar.
Während ebay im letzten Jahr langsamer als der e-Commerce Markt gewachsen ist, wird eBay in diesem Jahr so schnell wie der Markt wachsen.

Sekundärmarkt

John Donahoe hat für eBay den Sekundärmarkt im Fokus.
Seine Erklärung ist logisch nachvollziehbar.
Bei aktuellen Produkten sind die Preisspannen zwischen den verschiedenen Online-Plattformen gering - im Sekundärmarkt kann eBay gegenüber anderen Plattformen punkten.
Zum Sekundärmarkt gehören alle Produkte, die nicht die allerneuesten Produkte sind, z.B. Vorgängermodelle, Rückläufer, Überproduktionen.

Wenn ich auf der anderen Seite gerade an das IPad denke- da war eBay erste Anlaufstelle für den Pre-Sale und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben.

Auktionen vs. Festpreisformat

Langfristig wird der Anteil der Auktionen weiter zurückgehen und in Zukunft einen Anteil von nur noch 30% ausmachen.
Früher war die Verteilung genau entgegengesetzt - 30 % Festpreis, 70 % Auktionen.
Dieser Verhältnis wird sich also zu 30 % Auktionen / 70 % Festpreis drehen.

Keine Angst vor e-Commerce Trends

Nischenanbieter, Shoppingclubs, Live-Shopping-Anbieter - viele neue Anbieter drängen auf den Markt, aber eBay hat davor keine Angst.
John Donahoe fasst das in einem Satz zusammen:
Das Problem dieser Anbieter: Sie brauchen den Traffic auf ihrer Seite. Wir haben ihn.
Grundsätzlich kann das sogar in der Tat eine weitere Chance für ebay sein- wenn nämlich die Nischenanbieter auf eBay verkaufen, weil sie dort den Traffic bekommen.

eBay Deutschland

Für mich der Kernsatz:
Generell haben wir in Deutschland in den vergangenen Jahren wenig Profil nach außen gezeigt. Wir mussten erst unsere Arbeit tun.
In Deutschland steht der Kleinanzeigenmarkt im Fokus, der rasant wächst.
Bleibt zu hoffen, dass darüber nicht das deutsche Kerngeschäft vernachlässigt wird.

Die Zukunft von PayPal

Auf die Frage, ob eBay PayPal nicht schaden würde, weil PayPal eine eBay Gesellschaft ist, antwortet er:
Wir haben nur einen Händler auf der Welt getroffen, der Paypal nicht akzeptiert, weil es eine Ebay-Gesellschaft ist. Das ist Amazon.
Eine Abtrennung schließt er jedoch nicht grundsätzlich aus, auch wenn er im Moment noch viele Synergien sieht, von denen beide profitieren.
Nach wie vor gibt er sich in der Frage offen, was in der Zukunft sein könnte.

Micropayments

Im Bereich Micropayments sieht es aus als würde PayPal den Trend verschlafen, aber hier sollen in den kommenden Monaten viele Innovationen auf den Markt kommen.

Zukunft e-Commerce

Aktuell macht der e-Commerce nur 5 Prozent des gesamten Welthandels aus.
Diese Zahl wird sich in den nächsten Jahren drastisch erhöhen und durch die mobilen Anwendungen werden die Grenzen zwischen Online und Offline mehr und mehr verschwinden, wenn der Kunde mit seinem Handy in den Laden geht und sofort den günstigsten Online-Preis herausfindet.

Offen und ehrlich
Sympathisch sind seine abschließenden Worte:
Vor fünf Jahren dachten unsere Mitarbeiter, auf einer Skala von 1 bis 10 hätte Ebay eine 12. Falsch. Auf dieser Skala haben wir es jetzt von einer 2 zu einer 4 geschafft. Wir sind jetzt doppelt so gut wie vor einem Jahr. Bis Ende 2010 möchte ich gerne die 8 erreichen. Bis dahin hat sich vielleicht die 10 schon wieder bewegt, weil Wettbewerb und Innovation neue Standards gesetzt haben. Ich bin stolz auf das Erreichte, aber weit davon entfernt, zufrieden zu sein.
Erreichen will John Donahoe das mit Innovationen, die eBay wieder konkurrzenfähig machen.
Dafür hat er 50 der Top 100 Entwickler neu eingestellt.

Mein Eindruck von eBay ist, dass es gelingen wird, auch wenn die nächsten zwei Jahre vielleicht für alle noch etwas ungemütlich werden.

Vermutlich wird es eines Tages dazu kommen:
John Donahoe, eBay CEO, hat schon letztes Jahr nicht ausgeschlossen, dass PayPal irgendwann von eBay abgetrennt wird.
Er würde sich regelmäßig fragen, ob eBay das PayPal Geschäft hemmt und wenn er dann zu der Einsicht käme, würde er das tun, was er mit Skype getan hat.

Robert Cyran - Reuters Breakingviews - bringt es auf den Punkt:
Sell it now!
und auch die New York Times schlägt in diese Kerbe:
Time Seems Right for Paypal to Fly


Die Argumente sind nicht von der Hand zu weisen.
Ohne eBay könnte PayPal noch schneller wachsen.
So werden z.B. an der Börse Unternehmen wie eBay und Amazon anders bewertet als Visa und PayPal wenn es denn nur PayPal wäre.
Und mit eBay im Anhang ist PayPal für viele Unternehmen ein Mitbewerber und blockiert unter Umständen Verhandlungen.

Auch wenn diese Diskussionen über die PayPal Abtrennung von eBay in der Vergangenheit immer wieder aufkamen und schnell wieder verhallten, halte ich es nicht für abwegig, dass es eines Tages so weit sein könnte.

Bislang lag der Fokus der Verkäufer darauf möglichst hohe DSR zu bekommen.
Jetzt geht es in erster Linie darum niedrige DSR zu vermeiden.
Und nun kommt offensichtlich auch noch der " Net Promoter Score ".
Ein deutsches Wort fällt mir dazu nicht ein und eine offizielle Übersetzung gibt es noch nicht.
Was ist der " Net Promoter Score "?
Kunden können auf einer Skala von 1-10 eingeben, ob sie den Verkäufer an einen Freund oder Kollegen weiterempfehlen würden.
1- 6 bedeutet = Detractors, was übersetzt o viel heißt wie verunglimpfend - also rufschädigend für eBay. Der Kunde ist unzufrieden und macht Negativwerbung für eBay.
7 + 8 bedeutet = Passive also neutral. Der Kunde ist zufrieden aber nicht begeistert.
und 9 und 10 bedeutet = Promoters = Verkäufer, die eBay fördern, bzw. den Ruf stärken. Der Kunde ist begeistert und wird wieder bei eBay einkaufen und eBay auch empfehlen.
Der " Net Promoter Score" wird durch Subtraktion des prozentualen Anteils der " Detractors " vom prozentualen Anteil der " Promoters" errechnet. Die passiven zählen nicht.
Haben Sie also z.B. 70% der Bewertungen im Bereich 9+10 und 10 % im Bereich 0-6 beträgt Ihr "Net Promoter Score" ( NPS) = 60 %. ( 70% - 10% = 60%)
Die restlichen 20 % sind " Passiv und fließen nicht in die Berechnung ein.
Bis jetzt ist nicht bekannt, wie der "NPS" in die aktuellen DSR einfließt.


Der " NPS" ist übrigens keine Erfindung von eBay, sondern von "Bain & Company's Fred Reichheld", die die Marke mit " Bain and Satmetrix" teilen.
eBay CEO John Donahoe hat über 20 Jahre für "Bain & Co" gearbeitet.
Im Dezember 2008 ergab übrigens eine Satmetrix Umfrage unter 23000 Konsumenten, dass Amazon mit 74% NPS die Nummer 1 im Online-Shopping ist.

Heute reiche ich noch einige Zahlen zu meinem gestrigen Artikel nach:
Im März 2009 gab es 159.000 gewerbliche Verkäufer bei eBay, davon sind ca. 14.000 Powerseller.
Gerüchteweise haben 20 - 30 % der Powerseller den Status " Top-Verkäufer" erhalten.
Bei 20 % ( 2800 Powerseller) wären das knapp 1,7 % der gewerblichen eBay-Verkäufer.
Bei 30 % ( 4200 Powerseller) wären es knapp 2,6 % der gewerblichen eBay-Verkäufer.
Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen.
Umso erstaunlicher finde ich die Zahlen:
Diese 1,7 % - 2,6 % der gewerblichen Verkäufer stellen ca. 16,5 % der eBay-Angebote!

Geht man in der Analyse noch weiter bestätigt sich die Einsicht, zu der eBay-CEO John Donahoe auf der Shop.org Konferenz offiziell gekommen ist.
In seiner Keynote sagte er:
“Wir dachten, Auktionen wären eine Religion. Auktionen sind nicht mehr als ein Format.”
Das ist natürlich ein Statement, das zunächst erstaunt.
eBay ist durch das Auktionsformat groß geworden und auch heute wären gerade die Auktionen ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen E-Commerce-Anbietern.

Geht man etwas tiefer in die Analyse bestätigt sich jedoch offensichtlich die eBay Einsicht.
Das Auktionsformat steht zwar zur Verfügung, wird aber von vielen Top-Verkäufern gar nicht genutzt.
Bei meinen 6 Beispielkategorien sehen die Zahlen folgendermaßen aus:

1. Bücher Top-Verkäufer
2.443.334 eingestellte Artikel, davon 1.127 Angebote im Auktionsformat!
Das sind nicht einmal 1 %!

2. Auto & Motorrad: Teile - Verkäufer mit Top-Bewertung
708.202 eingestellte Artikel davon 4.118 Angebote im Auktionsformat.
Auch hier unter 1 %!

3. Kleidung & Accessoires- Verkäufer mit Top-Bewertung
744.013 eingestellte Artikel, davon 21.678 Angebote im Auktionsformat.
Das sind dann fast 3 %!

4. Sammeln & Seltenes : Verkäufer mit Top-Bewertung
521.571 eingestellte Artikel, davon 5.103 Angebote im Auktionsformat.
Auch hier liegt der Anteil der eingestellten Auktionen wieder unter 1%.

5. Musik: Verkäufer mit Top-Bewertung
210.135 eingestellte Artikel, davon 3.387 Angebote im Auktionsformat.
Mit knapp 1,6 % nicht wirklich erwähnenswert.

6. Möbel & Wohnen: Verkäufer mit Top-Bewertung
358.008 eingestellte Artikel, davon 12.839 Angebote im Auktionsformat.
Und das sind dann wieder knapp 3,5 %!

Deutlich sichtbarer kann man den Wandel, den eBay in der letzten Zeit vollzogen hat, wohl nicht darstellen.
Aber für eBay scheint die Rechnung aufzugehen, denn glaubt man der aktuellen Imageanalyse des Markenmonitors YouGov BrandIndex gewinnt eBay gegenüber dem Vorjahr an Beliebtheit!

Mit einem kleinen Seitenhieb auf Amazon und Walmart hat eBay CEO John Donahoe auf der diesjährigen shop.org Konferenz verkündet, dass eBay nicht in Konkurrenz zu seinen Verkäufern treten wird.
John Donahoe gab auf der Konferenz klare Statements ab:
" eBay ist kein Verkäufer, wird nie ein Verkäufer sein und wird nicht mit den eBay-Verkäufern konkurrieren. eBay wird z.B. kein Online-Schuhgeschäft kaufen ( Amazon hatte vor kurzem für rund eine Milliarde Dollar das Online-Schuhgeschäft Zappos gekauft), und eBay wird keine Eigenprodukte entwickeln und verkaufen.
eBay wird auch die Daten der Verkäufer nicht nutzen um mit ihnen zu konkurrieren.
eBay wird ein Marktplatz bleiben, der nicht in Konkurrenz zu seinen Verkäufern steht.
Klare Worte!


Amazon hatte in der letzten Woche mit der Einführung einer Eigenmarke AmazonBasics für Aufsehen gesorgt.
Dabei ist das nicht die erste Eigenmarke, hinter der Amazon selbst steht.
Bereits seit 2004 bietet Amazon unter dem Namen Strathwood Gartenmöbel und Outdoor-Gegenstände an. Strathwood wird auch über andere Online-Händler angeboten, abgewickelt wird jedoch immer über Amazon.
Selbst eBay-Händler, die Strathwood Produkte bei eBay verkaufen, wickeln den Verkauf über Amazon ab.
Auch bereits seit 2004 gibt es die Amazon.com Collection Schmuckkollektion, die mit fast 50.000 Produkten z.Zt. die umfangreichste Produktpalette der Amazon Eigenmarken stellt.
Eine weitere Eigenmarke von Amazon ist Pike Street, eine Billigmarke unter der Bettwaren verkauft werden.
Auch Pinzon ist seit 2005 eine Eigenmarke von Amazon. Unter diesem Label verkauft Amazon u.a. Handtücher, Bettwäsche, Küchenutensiien und Möbel.
Im Bereich " Werkzeug" ist Amazon unter dem Label Denali aktiv.
Hier kann eBay also tatsächlich punkten, denn ich bin sicher, dass die eBay-Verkäufer in absehbarer Zeit wirklich keine Konkurrenz von eBay zu erwarten haben, während Amazon die Geschäfte mit den Eigenmarken weiter ausbauen wird und damit in der Tat mit den externen Marketplace-Anbietern konkurriert.

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