Selten wird sich ein Unternehmen beklagen, wenn eine Werbekampagne so erfolgreich ist, dass sie auch nach Ablauf der sonst üblichen kurzen Verfalllaufzeiten in den Köpfen der Menschen präsent ist.
John Donahoe, der Vorstandsvorsitzende von eBay klagt gegenüber dem Focus, dass die Deutschen eBay noch immer als Auktionshaus wahrnehmen, obwohl doch längst das Festpreisgeschäft im Fokus stehen sollte.
Schuld daran sei die erfolgreiche Werbekampagne "3,2,1, meins".
Für viele Deutsche ist eBay noch immer das, was es längst nicht mehr ist, schon nicht mehr war, als die "3,2,1,meins" Kampagne an den Start ging:
Ein riesiger Online-Flohmarkt, auf dem gebrauchte Artikel zwischen Verbrauchern gehandelt werden.
Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen.
Oft werde ich von Freundinnen oder Bekannten gefragt, wo ich dies oder das gekauft habe: Schuhe, Handtaschen, Accessoires und solche Dinge.
Antworte ich "bei eBay" ernte ich betretenes Schweigen und höre Fragen wie "Ist das neu?" oder noch schlimmer "Hast Du keine Angst beim bezahlen?"
Antworte ich hingegen "bei Amazon" sagen viele: "Kannst Du mir das auch bestellen?".
Nun muss ich sicher sagen, dass viele eBay scheuen, weil eBay für Wenigkäufer, die selten bei eBay einkaufen viel zu kompliziert und unübersichtlich ist- merkwürdigerweise finden sie sich aber alle bei Facebook zurecht.
Und so haben sie eBay eben im Kopf wie es vor Jahren war - weil sie die Entwicklung gar nicht direkt erleben.
Ein Beispiel warum eBay das Flohmarktimage nicht los wird:
Im September 2011 hatte eBay die Stadt mit Werbung plakatiert.
Die Kampagne war schon der richtige Weg neue Kunden für eBay zu gewinnen und die Wahrnehmung in den Köpfen zu verändern.
Auf den Plakaten waren unter anderem Buffalo Stiefel zu sehen.

Wie vermutlich viele andere auch wollte ich diese Stiefel kaufen - nur habe ich sie bei eBay nicht gefunden.
Nun muss ich dazu sagen, dass ich die Kampagne zu spät entdeckt hatte.
Sie lief vom 26.09.2011 - 02.10.2011 und die Stiefel waren am 28.09.11 bereits ausverkauft und bei eBay nicht mehr zu finden.
Aber ich hatte mir den Verkäufer auf die Beobachtungsliste gesetzt und darauf gewartet, dass die Stiefel bei eBay angeboten werden.
Und sie kamen auch. Allerdings hat sie mit Sicherheit kein Käufer gefunden, der sich bei eBay nicht auskennt, denn sie waren perfekt versteckt:
So sah der Angebotstitel aus:
11484-515 SL NAPPA BLACK 01 - hier ein Screenshot:
80 Zeichen stehen dem Verkäufer in der Überschrift zur Verfügung und nicht ein Zeichen ist sinnvoll genutzt und das bei einem Werbeartikel, den viele sicher händeringend gesucht ( und nicht gefunden ) haben.
Es taucht nicht ein typischer Suchbegriff wie "Stiefel", "Stiefel Buffalo", "Stiefel Werbung"," Stiefel Plateau","Stiefel schwarz" oder ähnliche Suchbegriffe auf - wie soll ein Newbie, der sich bei eBay nicht auskennt, diese Stiefel finden?
Hier hätten eBay neue Käufer abholen können ( und das war sicher auch so geplant), aber wenn die Käufer die Artikel nicht finden, geht die Kampagne nach hinten los, denn suchen sie bei eBay nach Buffalo Stiefeln finden Sie in der Tat durch die Einreihung der Auktionen auf den ersten Blick sehr viele getragene Steifel und eben keine neuen und schon gar nicht die, für die eBay groß Werbung macht.
Wie also soll das Flohmarktimage aus den Köpfen verschwinden?




