Einen inspirierenden Artikel habe ich bei Tamebay gelesen.
Chris Dawson philosophiert auf Grundlage der entgegengesetzten Auffassungen über Versandkostenregelungen über die unterschiedlichen Servicestrategien von eBay und Amazon.
Und ich muss sagen- seine Überlegungen haben Substanz.
Die Strategie von eBay ist klar: Die Verkäufer sollen möglichst versandkostenfrei anbieten.
Dafür werden sie aktuell in einigen Kategorien mit einem Rabatt von 20% auf die Verkaufsprovision belohnt und auch in der Sortierung nach beliebtesten Artikeln werden Angebote, die versandkostenfrei verschickt prominenter positioniert.
Auf der anderen Seite profitiert eBay natürlich auch direkt davon, wenn die Verkäufer einen Artikel versandkostenfrei anbieten.
Nehmen wir einen Festpreisartikel, der für unter 50 Euro verkauft wird.
Die Verkaufsprovision beträgt 11 %.
Kostet der Artikel 49,90 Euro inkl. Versand, bekommt eBay 5,49 Euro Verkaufsprovision.
Weise ich den Versand in Höhe von durchschnittlich 5 Euro extra aus, kostet der Artikel 44,90 Euro ( + Versand) und eBay bekommt davon 4,94 Euro Verkaufsprovision.
Bei nur einem Artikel sind das bereits 0,55 Euro Unterschied.
Bei der Menge der Artikel, die täglich bei eBay verkauft werden, summiert sich diese Summe für eBay.

In der Außendarstellung heißt es:
Die Käufer bevorzugen den versandkostenfreien Versand.
Nur ist er bei diesem Beispiel eigentlich 0,55 Euro teurer - eine Summe, die letztendlich in den Preis einkalkuliert werden muss. Einen Preis, den der Käufer zahlt.
Da der Käufer aber oft nicht bereit ist, diesen Preis zu zahlen, wird ( muss!) der Verkäufer am Versand sparen und das bedeutet in der Tat eine Verschlechterung des Service.
So werden aus Paketsendungen Warensendungen, die deutlich länger brauchen und sowohl zu unzufriedenen Käufern als auch zu unzufriedenen Verkäufer führen.
Die Käufer sind unzufrieden, weil sie zu lange auf die Ware warten müssen, die Verkäufer sind unzufrieden, weil sie im Verlustfall haften und die Kunden per Mail Druck machen, wenn die Ware zu lange unterwegs ist.
So wird dann aus "immer billiger" auch "immer schlechter" - für Käufer und Verkäufer, einzig eBay profitiert durch die höhere Verkaufsprovsion von der Versandkostenregelung.
Natürlich könnte der Verkäufer definieren, dass versandkostenfrei z.B. Warensendung bedeutet und der Kunde - so er denn einen schnelleren Versand wünscht, für ein Upgrade zahlen kann, aber das würde bei eBay in den seltensten Fällen funktionieren.
Vor allem sind viele eBay-Käufer leider insofern aufgeklärt, dass sie wissen, dass Warensendungen nicht trackbar sind und der Verkäufer im Verlustfall haftet.
Insofern bestände hier natürlich ein erhöhtes Riskio für den Verkäufer, wenn er schon von vornherein auf den Versand per Warensendung hinzuweisen würde.

Amazon

Obwohl ich bei Amazon immer den Standardversand wähle, habe ich noch nie länger als 48 Stunden auf meine Bestellung gewartet. ( Bei Marketplace Verkäufern, die nicht über Amazon Fulfillment verschicken, mag es eBay-ähnlich sein).
Zudem bietet Amazon die Möglichkeit ein Upgrade zu buchen und den Expressversand zu wählen und ich denke, dieser Service wird bei Amazon auch viel genutzt.
Auch Amazon Prime ist ein Angebot, das in den Service Bereich fällt.
Die Kunden zahlen jährlich eine einmalige Gebühr und bekommen den Artikel dann immer am nächsten Tag zugeschickt.

Nun kann man Amazon und eBay natürlich nicht miteinander vergleichen und ich hätte im Moment auch keine Idee, wie man den Service angleichen könnte.
In diesem Fall ist es natürlich ein enormer Unterschied, ob man von Amazon, einem Online-Retailer oder von eBay - einem Marktplatzanbieter, spricht.
Bei eBay ist es in vielen Kategorien gar nicht realisierbar, höhere Versandkosten zu kalkulieren, selbst wenn man dafür schneller verschickt.
Der höhere Preis macht sich sowohl in der Sortierung der Suchergebnisse bemerkbar, als auch bei den DSR, die ja auch einen Einfluß auf die Sortierung haben.
Selbst Verkäufer, die kostenlosen Versand anbieten, haben bei eBay nicht automatisch eine 5 Sterne DSR im Bereich Versandkosten.
Nicht auszudenken, wie sich höhere Versandkosten in den DSR bemerkbar machen würden.

Auf der anderen Seite vergleichen Kunden die Versanddauer verschiedener Online-Plattformen natürlich miteinander und je länger es bei eBay dauert, desto schlechter sind die DSR im Bereich Versandzeit.
In unserer schnelllebigen Welt muss die Ware, die heute abend per PayPal gekauft und bezahlt wird, eigentlich spätestens nach 2 Werktagen beim Empfänger sein.
Bei Amazon funktioniert das auch, nur bei eBay dauert der Versand in vielen Kategorien immer länger, weil es billig sein muss.
Weil der Käufer aber nur auf die Preise und nicht seine Erwartungshaltung drückt, bleibt immer öfter ein fader Nachgeschmack zurück.