An so eine Meldung kann ich mich nicht erinnern:
Das Landesgericht St.Pölten ( Österreich) urteilte am 31.März 2010:
eBay muss einem eBay Käufer wegen grob fahrlässiger Verletzung der Sorgfaltspflicht einen Schadenersatz in Höhe von 16.463 Euro zahlen! Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig- eBay kann noch in die Berufung gehen.
Würde das Urteil rechtskräftig werden, könnte das weitreichende Folgen haben!

Was war passiert?
Der Kläger hatte 2007 bei dem Platin-Powerseller " ML-Agentur " zweimal fünf 100-Gramm-Goldbarren ersteigert, die nie geliefert wurden.
Zu diesem Zeitpunkt gab es in den eBay Foren jedoch bereits Warnungen u.a. wegen langer Lieferfristen.
eBay wird vorgeworfen zu spät reagiert zu haben ( Ich habe da auch noch einen aktuell verkaufenden Powerseller auf der Liste, bei dem ich wie viele andere auch, schon lange auf eine Reaktion von eBay warte.!)

Im Urteil heißt es: eBay hafte "aufgrund einer an bedingten Vorsatz grenzenden grob fahrlässigen Verletzung von vertraglichen Schutz- und Sorgfaltspflichten aus ihrem Nutzungsvertrag mit dem Kläger (aber auch aufgrund des zwischen ihr und der ML-Agentur geschlossenen Nutzungsvertrages mit Schutzwirkung zugunsten Dritter) für den gesamten eingetretenen Schaden"

Einen sehr ausführlichen Artikel schreibt die Netzwelt.
Die Auffassung des Gerichts. "Es hätte eBay auffallen müssen, dass die Auktionserlöse regelmäßig unter dem handelsüblichen Goldwert von Banken lagen", teile ich persönlich absolut nicht!
Würde eBay alle Angebote verbannen, die unter den üblichen Preisen liegen, wäre es sehr einsam bei eBay!
Das kann und darf auch nicht die Aufgabe von eBay sein.
Hier ist wie immer der Verstand der Bieter gefragt!
Wer ohne Recherche fast 16500 Euro an einen zu diesem Zeitpunkt schon kritischen Verkäufer überweist, hat - sorry - selbst Schuld!
In seinem Bewertungsprofil hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits abgezeichnet, dass der Kauf Problembehaftet sein könnte.
Natürlich muss eBay schneller reagieren, aber die Bieter müssen auch endlich lernen mehr nachzudenken!
Es gibt viele Dinge, die bei eBay günstiger sind, aber es gibt eben auch Dinge, bei denen ich sehe, dass der Verkäufer bewusst Verluste in nicht unbedeutender Höhe einkalkuliert und wenn da bei dem Käufer die Alarmglocken nicht angehen, dann kann es nicht sein, dass eBay allein die Schuld daran tragen soll!
Bei den Lidl-Bahntickets war es ähnlich - ich hatte hier darüber geschrieben- und es wird immer wieder solche Fälle geben, weil die Bieter zu blind sind!

Mir wäre es lieb, wenn eBay durch das Urteil lernt, in einigen Fällen schneller zu reagieren, aber eBay die komplette Verantwortung zu übertragen, halte ich für völlig unangemessen.

Es gibt im eBay-Sicherheitsforum einen Experten- dort vielen unter dem Nickname "bubu.m" bekannt, der kommende Schadenfälle sehr sicher vorhersagt.
Ich kann mich an keinen einzigen Fall erinnern, bei dem er falsch gelegen hätte und seine Warnungen kommen oft sehr frühzeitig!
Auch in diesem Fall trat er als Zeuge vor Gericht auf und das Gericht folgte seiner Einschätzung, dass bei eBay schneller reagiert werden müsse!
Ich habe nie verstanden, warum eBay gerade die Verkäufer, die bei bubu.m. ins Visier geraten, nicht wirklich auf Herz und Nieren prüft.
Hier hätten in der Tat einige Käufer ( vor sich selbst) geschützt werden können, wenn eBay schneller reagiert hätte und das würde ich mir wünschen!

Trotzdem bleibe ich dabei: In fast allen großen Schadenfällen der Vergangenheit müssen die Käufer einen Großteil der Schuld selbst übernehmen:

Ich kann als Fußgänger auch nicht über eine stark befahrene Strasse gehen, ohne vorher nach rechts und nach links zu schauen und dann den Autofahrern die Schuld geben, wenn ich überfahren werde.
Menschen, die nach links und nach rechts schauen, bevor sie blind 16500 Euro überweisen, wäre das nicht passiert!

Der Schaden, den " ML-Agentur" bei eBay angerichtet hat, soll in die Millionenhöhe gehen.
Das Unternehmen hat inzwischen längst Insolvenz angemeldet und der Händler wurde auch bereits wegen Betrugs verurteilt.