Ist der Ruf erst ruiniert…schafft man es bei Google bis ganz nach oben!

//Ist der Ruf erst ruiniert…schafft man es bei Google bis ganz nach oben!

Ist der Ruf erst ruiniert…schafft man es bei Google bis ganz nach oben!

Fast unglaubliches, wenn auch logisch nachvollziehbar, berichtet die New York Times:
Ein Händler mit einer denkbar schlechten Web-Reputation wird von Google mit einem guten Ranking belohnt.
Hauptdarsteller der New York Times Story ist ein Onlineshop, der bei Google an exponierter Stelle gelistet ist.
Eine Kundin, die dem Verkäufer schon durch das gute Google Ranking einen Vertrauensbonus gab, erlebte nach dem Kauf die "schlimmste Erfahrung ihres Lebens".
Gekauft hatte sie Kontaktlinsen im Wert von 361,97 Dollar.
Erst hieß es, die gewünschte Marke sei ausverkauft, aber das Geld wollte man ihr nicht zurückzahlen.
Als dann die Lieferung kam, stellten sich die Kontaktlinsen als Fälschung heraus. Als dann auch noch ihre Kreditkarte mit 487 Dollar, statt der vereinbarten 361,97 Dollar belastet wurde, eskalierte die Angelegenheit.
Der Shopbesitzer beschimpfte die Kundin u.a. als Bitch ( Schlampe ) und bedrohte sie: Er wüsste ihre Adresse und sei ganz in der Nähe.
Sie ließ sich nicht einschüchtern und ließ den Betrag über ihre Kreditkartenfirma zurückbuchen.
Es folgten Drohanrufe, dann drohte der Shopinhaber auch noch vor Gericht zu gehen und forderte von ihr (samt Auslagen) 1500 Dollar.
Dieser Ankündigung lag ein Foto ihres Wohnhauses bei - eine klare Drohung!
Fast zeitgleich teilte ihr die Kreditkartenfirma mit, dass der ursprüngliche Betrag ihrer Kreditkarte wieder belastet worden sei.
Es stellte sich heraus, dass " jemand" der Kreditkartengesellschaft mitgeteilt hatte, dass sie sich doch gegen einen Storno entschieden hatte.
An diesem Punkt (erstaunlich spät!) fing sie an im Netz nach Informationen über diese Firma zu suchen und wurde in unzähligen Foren fündig.
Viele Käufer hatten ähnliche Erfahrungen gemacht und sich auf entsprechenden Seiten öffentlich geäußert und auch eindringlich vor Käufen gewarnt.
In einem dieser Foren meldet sich der Verkäufer auch höchstpersönlich zu Wort:
“I just wanted to let you guys know that the more replies you people post, the more business and the more hits and sales I get. My goal is NEGATIVE advertisement.”
Frei übersetzt: Je mehr Leute sich an der Diskussion beteiligen, desto besser läuft sein Geschäft.
Seine Geschäftspraktik würde auf " Negativwerbung" aufbauen. All das sein Teil seiner Geschäftspolitik.
Seit der ersten öffentlichen Beschwerde würde sein Traffic steil nach oben gehen und er hat Recht!


Nicht nett, aber profitabel

In einem Interview mit der New York Times gibt es zu: Sein Geschäftsmodell ist zwar nicht "nett", aber durchaus profitabel.

Wie das "Geschäftsmodell" funktioniert:

Auf Nachfrage erklärt Google das System:
Die Foren und Webseiten auf denen sich die betrogenen Käufer über den Verkäufer auslassen, haben alle einen sehr guten (Google) Ruf.
Werden nun Links von diesen "guten" Seiten auf den Onlineshop des Verkäufers gesetzt, steigt dieser bei Google im Ranking, weil er von dem guten Ruf der verlinkenden Seiten profitiert.
Links gibt es viele und der Verkäufer gibt sich offensichtlich jede Menge Mühe weitere Kunden zu schädigen, um weitere Links zu bekommen.
Sucht man direkt nach dem Firmennamen kommen natürlich Negativ-Schlagzeilen, sucht man jedoch nach Produkten, die in dem Shop angeboten werden, greift das "Linkbuilding" und der Shop erscheint auf den vordersten Plätzen.
Im Grunde ist das nichts Neues, wenn auch in der extremen Form - als Geschäftsmodell - wohl eher ungewöhnlich.
Viele Blogger z.B. nutzen ähnliche " Tricks", um nach oben zu kommen.
Sie polarisieren, terrorisieren, hinterlassen auf anderen Blogs entsprechende Kommentare oder schreiben gleich selber einen Artikel, der für "negativen Aufruhr" sorgt.
Aber - damit bleiben sie in der Tat mehr im Gespräch, als wenn sie dem Mainstream folgen, bekommen kostbare Backlinks und erreichen so ihre Ziele oft schneller als diejenigen, die sich aalglatt und unangreifbar durchs Netz winden.

Warenbeschaffung über eBay

Besagter Onlineshop betreibt - am Rande bemerkt - u.a. ein eBay-Geschäftsmodell:
Er selbst hat gar keine Ware am Lager, sondern ordert diese erst nach dem Kauf bei eBay Verkäufern und auch dort hinterlässt er verbrannte Erde:
Die Ware soll in der Regel direkt an den Kunden geschickt werden.
Ist die Anschrift jedoch nicht PayPal verifiziert, weigern viele eBay-Verkäufer sich, die Ware an den Kunden zu schicken.
Der Onlineshopverkäufer (in diesem Fall der eBaykäufer) quittiert das mit einer negativen Bewertung.
Nun haben viele Verkäufer bei eBay ihn bereits auf die Liste geblockter Bieter gesetzt, aber auch das hilft wenig bei so einem Menschen. Mit einem neuen Account umgeht er diese Sperren.
eBay hat ihn zwar endgültig ausgeschlossen, aber mit seiner Fantasie (oder soll ich besser sagen: kriminellen Energie) ist es ein leichtes, diesen Ausschluß zu umgehen.

Risiken und Nebenwirkungen:

Sorge bereiten ihm einzig Visa und Mastercard:
Bekommt er zu viele Stornos, wird er gesperrt und dann ist sein Geschäftsmodell Geschichte. Aber das weiß er und handelt entsprechend.
Die Frau mit den Kontaktlinsen hat übrigens ihr Geld zurückbekommen, allerdings erst nachdem sich die Presse eingeschaltet hat!
Und dieses Mal hatte die Drohgebärde des Onlineshopinhabers auch Konsequenzen: Wegen Stalkings und aggressiver Belästigung musste er seine Geschäfte kurz unterbrechen und wurde kurzzeitig arrestiert, aber auch das passiert nicht zum ersten Mal und bremst ihn nicht.
Der Erfolg gibt ihm Recht: Bei einem Umsatz von 20.000 Dollar und einem Reingewinn von ca. 3000 Dollar am Tag wird er seine Geschäftspolitik so schnell nicht ändern!

By | 2011-02-20T01:31:08+00:00 November 29th, 2010|Allgemein|1 Comment

One Comment

  1. Michael Zachrau 01/12/2010 at 14:13

    Die Geschichte dieses dreisten Händlers zeigt einmal mehr, dass man unseriösen Geschäftspraktiken am besten begegnet, indem man nicht nur auf eine Quelle setzt, hier Google Ergebnisseite 1, sondern immer mal gegencheckt, was sonst noch über das Unternehmen bekannt ist.
    Wer alle Vorsichtsmaßnahmen missachtet und geradezu blind EINER EINZIGEN Quelle vertraut, dem fehlt es wohl auch an Intelligenz.
    Langfristig wird Google solche Betrüger gut identifizieren können.

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