Im Grunde muss man eigentlich den Hut ziehen, wie kreativ sich die Chinesen einen Übersetzer für ihre Produkte einsparen:
Ich hatte im letzten Jahr einen Artikel bei Amazon mit meiner EAN angelegt, der sich sehr gut verkauft hat.
Dann kam der erste Chinese, hat den Artikel für die Hälfte angeboten und dann kam der nächste, der zu dem Preis auch noch mit FBA verschickt.
An dem Punkt frage ich mich immer, warum die Chinesen eigentlich sofort den Preis völlig in den Keller ziehen?
Rein theoretisch würde es ja reichen, wenn sie mich nur um einige Cent unterbieten würden - es ist eigentlich nicht nötig, mit Volldampf die Kapitalflucht anzutreten und den Verkaufspreis gleich einmal zu halbieren.

In das Preisspiel kann und will ich nicht einsteigen, also habe ich in Kauf genommen, dass der Artikel bei Amazon verbrannt war.
Parallel läuft der Artikel bei eBay, dort lief er allerdings nie so gut wie bei Amazon.
Nach und nach verkauft sich aber der Restbestand ab und auch bei Amazon habe ich das Listing nach wie vor online, weil sich doch ab und zu ein Käufer verirrt, vor allem, wenn die Chinesen den Bestand nicht rechtzeitig an Amazon geschickt haben.
Nun hat mich heute der Chinese angeschrieben, der sich damals als erster an mein Angebot (mit meiner EAN!) angehangen hat und mir eine Frist von 24 Stunden eingeräumt, um das Angebot zu löschen.
In der Zwischenzeit hat er die Marke überschrieben, der Artikel mit meinem Bild, meiner EAN, meiner Beschreibung läuft also jetzt tatsächlich unter seiner Marke.
Er schreibt, dass seine Marke offiziell beim DPMA eingetragen ist und das stimmt auch.
Würde ich meinen Artikel nicht innerhalb von 24 Stunden auslisten, würde er sich an Amazon wenden und ich würde mit den Konsequenzen ( Verschlechterung der Performance usw.) leben müssen.
Irgendwie komme ich mir jetzt etwas veräppelt vor. Ich habe die Keywordrecherche und die Artikelbeschreibung gemacht, die Bilder hochgeladen, die EAN bezahlt, die ersten guten Rezensionen eingesammelt - das Angebot also einstellfähig gemacht und jetzt kommt der Chinese und freut sich, dass alles fertig ist und er das Angebot übernehmen kann?
Da ich auf der anderen Seite aber auch Chinesen habe, die sich bei Amazon an meine (sowohl beim DPMA als auch bei Amazon) eingetragene Marke angehangen haben und Amazon das recht entspannt sieht, werde ich das vermutlich auch ganz entspannt sehen und das Angebot nicht löschen.
Ich muss darüber noch abschließend nachdenken, denn dieser Artikel liegt mir nicht mehr besonders am Herzen und insofern muss ich mir die Frage stellen, ob es sich bei diesem Artikel lohnt, eventuell Stress mit Amazon zu bekommen.

Update
Ich habe mich entschieden, den Artikel nicht zu löschen.
Mein Artikel wurde im Juli 2014 mit meiner EAN eingestellt, das ist nachvollziehbar.
Im April 2015 hat der Verkäufer dann den Artikel unter seinem Markennamen und anderer ASIN bei Amazon als neuen Artikel eingestellt.
Die Artikelbeschreibung ist kaum verständlich, weil die Übersetzung mangelhaft ist.
Der Artikel hat sich dann offensichtlich nicht so gut verkauft wie geplant, also hat sich der Verkäufer zusätzlich an meinen Artikel angehangen und die Marke geändert. Damit verstößt er gegen die Doppellisting Richtlinie von Amazon. Das habe ich nun bei Amazon gemeldet.
Ich habe Amazon die Sitaution geschildert und mein Unverständnis darüber ausgedrückt, dass der Chinese der Meinung ist, er könnte die deutschen Verkäufer als Einstellhelfer und Übersetzer einsetzen und sie dann von ihren eigenen Artikeln vertreiben.
Glücklicherweise bin ich bei Amazon auf Verständnis gestoßen, allerdings wurde der Fall noch an eine andere Abteilung zur Prüfung weitergeleitet.

Erstaunlich: An dem Angebot hängen drei Chinesen, die sich im Preiskampf befinden - mein Angebot konkurriert preislich nicht mit den anderen Verkäufern. Insofern wundert es mich, dass er mich und nicht seine direkten Wettbewerber ausgesucht hat. Vielleicht lassen sich die deutschen Verkäufer schneller einschüchtern?
Wenn es neue Entwicklungen geben sollte, werde ich den Artikel updaten, damit auch andere Verkäufer erfahren, wie sich solche Fälle entwickeln und ob es die richtige Entscheidung war, Flagge zu zeigen und den Artikel nicht zu löschen.

Update 2
Ein anderer Seller hat mir geraten, die Marke wieder ändern zu lassen, um ganz auf der sicheren Seite zu sein.
Das habe ich getan und die Änderung ist bereits live.

So gehen Sie in diesem Fall vor:
Amazon > Kontaktieren Sie uns > Verkaufen bei Amazon > Produkte und Lagerbestand > Problem mit Produktseite > Problem beheben > nach ASIN suchen > Was möchten Sie beheben? > Marke > dann Marke ändern und absenden.