Vor einigen Tagen habe ich bei Ina Steiner wieder einen Artikel gelesen, in dem sie darüber berichtet, dass eBay auf der letzten Top Seller Konferenz chinesische Seller ermutigt hat, weiter in den Markt einzudringen und ich frage mich:

Wo werden wir am Ende stehen?

Ein Beispiel aus der Praxis:
Ich verkaufe bei Amazon einen Artikel ab, der einen VK von 6,98 Euro (Prime) hat.
Täglich werden 5-10 Stück verkauft und mein restlicher Lagerbestand wird in absehbarer Zeit abverkauft sein.
Nun kommt ein Chinese und aus unternehmerischer Sicht würde es reichen, wenn er den Artikel zum Preis von 6,97 Euro verkauft und sich damit die Buy Box sichert. Er aber bietet den Artikel (Prime) sofort für 2,98 Euro an. Die Amazon Kosten betragen 2,77 Euro. Bleiben also satte 0,21 Euro, von denen er den Artikel kaufen und den Versand nach Deutschland organisieren muss. Da China laut Weltpostvertrag als Entwicklungsland eingestuft ist, sind die Versandkosten zu vernachlässigen, da sie subventioniert werden.

Mit der Preissenkung macht der Verkäufer den Artikel zum Plus Produkt und schon dadurch gehen die Verkäufe deutlich nach unten, aber darüber muss ich mir im Moment keine Gedanken machen, weil ich den Artikel erst dann wieder verkaufe, wenn er bei dem Chinesen ausverkauft ist, weil er sein Lager nicht schnell genug aufgefüllt hat.
Ganz naiv würde ich sagen, dass dem deutschen Staat hier doppelter Schaden entsteht: Er zahlt gar keine Steuern und da ich diesen Artikel im Moment auch nicht mehr verkaufe, zahle ich auch keine Steuern auf den Verkauf.
Die Chinesen sollen zwar Steuern zahlen, doch wenn sie es nicht tun, müssen sie keine Konsequenzen fürchten, weil es zwischen Deutschland und China kein Amtshilfe-Abkommen gibt.

Ärgerlich ist es auch, wenn ich als Unternehmer bei Amazon einkaufe und schnell z.B. ein paar Druckerpatronen aus der Buy Box kaufe, um dann später festzustellen, dass der Verkäufer keine Rechnung erstellen kann und ich bei einem deutschen Verkäufer unterm Strich weniger bezahlt hätte, weil er die Umsatzsteuer ausweisen kann. Zwar sollen Verkäufer, die keine Rechnung ausstellen können darauf hinweisen, nur machen sie es nicht und wer schaut schon bei jedem Kauf ins Impressum?

Versand aus Polen / Tschechien

Jetzt sollen deutsche Verkäufer ihre FBA Ware für den Versand aus anderen europäischen Ländern freigeben. Wenn sie sich dafür entscheiden, werden sie in anderen Ländern umsatzsteuerpflichtig und dieser Aufwand kostet. Alternativ bleibt die Ware in Deutschland, kostet dann aber pro Sendung einen Aufschlag von 0,25 Euro. Wieder ein Wettbewerbsvorteil für die Chinesen, weil sie ihre Ware verteilen können, ohne sich um steuerliche Konstrukte Gedanken zu machen.

Produktsicherheit und Umweltrecht?

In der Theorie müssen sich alle an die Gesetze halten, in der Praxis können (und werden) nur deutsche Unternehmen geprüft und müssen bei Verstößen mit empfindlichen Geldstrafen rechnen. Bei chinesischen Firmen können weder Prüfmuster angefordert noch Bußgelder verhangen werden.

Entsorgungsgebühren und Verpackungsverordnung?

Deutsche Händler werden an jeder Ecke zur Kasse gebeten, z.B. für Entsorgungsgebühren oder für Lizenzen für die Verpackungsverordnung. Das alles muss den chinesischen Händler gar nicht interessieren,kein Wunder also, dass wir in vielen Produktkategorien gar nicht mehr wettbewerbsfähig sind und die chinesischen Händler dominieren.

Der rote Teppich für die Chinesen

Und wenn ich dann lese, dass eBay noch mehr chinesische Seller an Bord haben möchte, dann mache ich mir Sorgen, wo das langfristig hinführen wird.
Bei eBay.de dominieren mit 70% noch die deutschen Händler, bei Amazon.de sind nur noch 53% der Händler aus Deutschland (Quelle Wortfilter), aber wenn eBay - wie auf dem Seller Summit geschehen, Preise für die chinesischen "Elite Seller" verleiht, die in den europäischen Markt expandieren, dann werden wir bald in der Minderheit sein.

Amazon senkt die FBA Gebühren, um für die Chinesen attraktiv zu bleiben

Wie Tamebay heute berichtet, wird Amazon.com ab 1. Juli die FBA Gebühren für kleinere Sendungen wie Kabel, Smartphone Cover etc. um 67% senken, um für die Chinesen weiter attraktiv zu bleiben. Durch die Subventionen könnten Chinesen sonst auf die Idee kommen, selbst zu verschicken und da Amazon die chinesischen Verkäufer nicht verlieren möchte, werden die FBA Preise angepasst.

Auswege?

Einige Unternehmen versuchen sich an kreativen Konstrukten und wandern mit dem Unternehmen selbst nach China aus, allerdings ist dieser Weg nicht immer von Erfolg gekrönt, wie ein Artikel der IT-Recht-Kanzlei belegt.
Die Verbände kennen das Problem, sind bisher jedoch nicht (sichtbar) aktiv geworden.

Hilfreich ist es sicher, wenn man eine eigene Marke aufbauen kann und den eigenen Auftritt auf höchstem Niveau professionalisiert.
Das führt dann allerdings nicht zu dem, was sich eBay & Amazon vorstellen, denn wenn jeder seine Produkte selbst labelt, finden wir irgendwann bei ebay & Amazon das identische Produkt in x-facher Ausfertigung - nur unter vielen verschiedenen Markennamen und ob das dann zu einem "Kauferlebnis" für die Kunden führt darf bezweifelt werden.